In der Region Neckar-Odenwald-Kreis sorgt die Domus Cura Gruppe für Schlagzeilen, nachdem sie Insolvenzanträge für mehrere ihrer Pflegeeinrichtungen gestellt hat. Betroffen sind die Pflegeheime in Hüffenhardt, Neunkirchen sowie Aglasterhausen-Michelbach. Diese Entscheidung folgt auf eine schwierige finanzielle Situation, die durch hohe Gebäude- und Personalkosten, sowie Fachkräftemangel und Bürokratie verursacht wurde. Die Insolvenz wurde in Eigenverwaltung beantragt, was bedeutet, dass der Betrieb der Einrichtungen regulär weiterläuft und für die 260 Bewohner vorerst keine Einschränkungen zu erwarten sind. Der Insolvenzverwalter aus Mannheim wird sich umgehend einen Überblick über die Situation verschaffen, um die Standorte zu retten und eine Sanierung einzuleiten (SWR).
Die Domus Cura Gruppe betreibt insgesamt drei Pflegeeinrichtungen in der Region, darunter auch Einrichtungen in Hildesheim und Crailsheim, die ebenfalls insolvent sind. Die Geschäftsführungen der betroffenen Heime haben beim Amtsgericht Sanierungsanträge eingereicht, die bereits genehmigt wurden. Die rund 130 Bewohner in Michelbach und Neunkirchen sowie etwa 60 in Crailsheim sollen auch während des Insolvenzverfahrens weiterhin versorgt werden. Geschäftsführer Peter Paul Gruber hat versichert, dass die Bewohner von den Sanierungsmaßnahmen im Alltag nichts spüren werden. Eine Rechtsanwaltskanzlei unterstützt die Geschäftsführung als Restrukturierungsexperte und prüft verschiedene Sanierungsoptionen (Stimme).
Herausforderungen im Pflegebereich
Die Herausforderungen, mit denen die Domus Cura Gruppe konfrontiert ist, sind nicht einzigartig. Immer mehr große Pflegeheimbetreiber, darunter Dorea, Curata und die Hansa-Gruppe, melden Insolvenz an. Die Ursachen sind vielfältig: steigende Kosten, ein akuter Fachkräftemangel und eine hohe Bürokratie belasten die Einrichtungen. Im vergangenen Jahr mussten bereits 142 von etwa 11.000 Pflegeheimen schließen, und die Prognosen deuten darauf hin, dass bis Ende 2023 37 Prozent der Heime rote Zahlen schreiben werden. Zudem sind in Deutschland derzeit 100.000 Pflegekräfte erforderlich, um den steigenden Pflegebedarf zu decken (Tagesschau).
Die Situation wird durch steigende Personalkosten weiter verschärft, da Pflegeheime seit September 2022 verpflichtet sind, nach Tarif zu bezahlen. Diese finanziellen Herausforderungen machen es für viele Einrichtungen schwierig, wirtschaftlich zu arbeiten, insbesondere da sie eine Auslastung von 98 Prozent benötigen, um tragfähig zu bleiben. Gemeinnützige Träger haben es hier oft einfacher, da sie keine hohen Renditen erwirtschaften müssen und sich auf die Versorgung der Bewohner konzentrieren können.
Die Domus Cura Gruppe plant, sich an die aktuellen Branchenentwicklungen anzupassen und will sich neu aufstellen. In den kommenden Wochen werden verschiedene Sanierungsoptionen geprüft, um die Einrichtungen langfristig zu sichern. Vorläufig wird die Agentur für Arbeit die Gehälter der Mitarbeitenden für drei Monate übernehmen, was jedoch nur eine temporäre Lösung darstellt. Die Unklarheit über die Situation nach dieser Frist bleibt ein großes Thema für die betroffenen Beschäftigten (Stimme).