In der Stadtbibliothek Neunkirchen findet demnächst eine besondere Buchpräsentation im Rahmen der Reihe „Treffpunkt Bibliothek“ statt, die in Kooperation mit dem Stadtarchiv organisiert wird. Der Eintritt zur Veranstaltung ist kostenlos, was sicher viele Interessierte anziehen wird. Das Buch, das präsentiert wird, behandelt die Geschichte der Zeugen Jehovas als „vergessene Opfergruppe“ der NS-Zeit. Diese Glaubensgemeinschaft lehnte das nationalsozialistische Regime von Anfang an ab und verweigerte unter anderem den Hitlergruß sowie den Kriegsdienst.
Die Zeugen Jehovas wurden während der NS-Zeit stigmatisiert und in Konzentrationslagern mit einem lila Winkel gekennzeichnet. Edwin Buchmann aus Heusweiler und Franz Josef Schäfer aus Illingen werden die Geschichte der Zeugen Jehovas im Saarland vorstellen, wobei der Fokus auf den Biografien hingerichteter Kriegsdienstverweigerer und KZ-Opfern liegen wird. Auch das Schicksal der saarländischen Siebenten-Tags-Adventisten sowie der Reformationsbewegung und der Neu-Salems-Gesellschaft wird thematisiert.
Historische Hintergründe der Verfolgung
Die Reichstagsbrandverordnung vom 28. Februar 1933 war ein entscheidender Schritt, der zur Verfolgung der Zeugen Jehovas führte. Historikerin Monika Minninger hebt hervor, dass die Zeugen Jehovas eine diametral entgegengesetzte Haltung zu den Nationalsozialisten einnahmen, während Historiker Michael H. Kater eine strukturelle Ähnlichkeit zwischen den Ideologien beider Gruppen sieht. Die Vorurteile gegen die Zeugen Jehovas umfassten ihre Verweigerung des Hitlergrußes, Wahlverweigerung und das Fernbleiben von staatlichen Organisationen.
Im Laufe der Jahre wurden die Zeugen Jehovas Opfer von zahlreichen Diskriminierungsmaßnahmen, einschließlich der Einbehaltung von Renten- und Pensionszahlungen sowie der Verweigerung von Arbeitslosenunterstützung. Viele Mitglieder der Glaubensgemeinschaft mussten sich als Lumpensammler betätigen, um über die Runden zu kommen. Die schulpflichtigen Kinder von Zeugen Jehovas waren starkem Gruppenzwang ausgesetzt und wurden häufig körperlich angegriffen.
Widerstand und Verfolgung
Bereits Anfang April 1933 trafen die Zeugen Jehovas in Deutschland Vorbereitungen für ein mögliches Verbot. Am 24. Juni 1933 wurde die Glaubensgemeinschaft dann tatsächlich in ganz Deutschland verboten. Die daraufhin verabschiedete „Wilmersdorfer Erklärung“ distanzierte sich von den Vorwürfen, eine von Juden finanzierte Organisation zu sein, und betonte ihre unpolitische Haltung. Dennoch führte diese Distanzierung nicht zur Versöhnung mit dem Regime.
Die Zeugen Jehovas waren die einzige Gruppe, die sich kollektiv weigerte, den Kriegsdienst anzutreten, was mit der Todesstrafe bestraft wurde. Heinrich Himmler ließ sogar öffentliche Hinrichtungen von Kriegsdienstverweigerern durchführen, um die Glaubensgemeinschaft zu erschüttern. Trotz dieser brutalen Repressionen zeigten die Zeugen Jehovas eine bemerkenswerte Glaubensstärke und Widerstandskraft.
Die Rolle der Zeugen Jehovas in der Erinnerungskultur
Detlef Garbe, Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, beschreibt die Zeugen Jehovas als „vergessene Opfer“ des Nationalsozialismus. Ein lila Stoff-Dreieck, das etwa 2.000 Zeugen Jehovas in den Konzentrationslagern trugen, steht heute symbolisch für ihr Schicksal. Die Glaubensgemeinschaft war eine der ersten, die im Nationalsozialismus verfolgt wurde, und leistete Widerstand gegen den Anpassungsdruck mit großer Geschlossenheit.
Die Geschichte der Zeugen Jehovas in der Zeit des Nationalsozialismus ist ein wichtiger Bestandteil der Erinnerungskultur in Deutschland. Sie zeigt, wie Glauben und Überzeugungen auch in extremen Situationen aufrechterhalten werden können. Diese Buchpräsentation in Neunkirchen bietet die Gelegenheit, mehr über diese oft übersehene Geschichte zu erfahren und das Schicksal der Zeugen Jehovas während der NS-Zeit zu würdigen, während sie als eine Gruppe betrachtet werden, die im Angesicht von Unterdrückung und Verfolgung ihren Glauben treu geblieben ist.
Für weitere Informationen zur Veranstaltung und zur Geschichte der Zeugen Jehovas empfehlen wir den Artikel auf der Webseite der Stadt Neunkirchen hier. Weitere Details zur Verfolgung können auch auf Wikipedia nachgelesen werden hier, sowie auf der MDR-Website hier.