Am 3. März 2026 fand der Diversity in Health Congress in Lilienfeld statt, ein bedeutendes Event, das sich dem Thema der gerechten und diskriminierungssensiblen Gesundheitsversorgung widmete. Über 400 Teilnehmende, darunter Expertinnen und Experten aus den Bereichen Versorgung, Wissenschaft, Forschung und Bildung, diskutierten die zentrale Rolle von Vielfalt für die Qualität und Gerechtigkeit in der medizinischen Versorgung. Organisiert wurde der Kongress von INNO3 und fachlich begleitet vom Institut für Diversitätsmedizin der Ruhr-Universität Bochum. Die Veranstaltung hat sich als relevante Plattform im Gesundheitswesen etabliert und zieht immer mehr Interessierte an. [1]

Die Eröffnung des Kongresses begann mit zwei Keynotes, die wichtige Aspekte der Diversität in der Gesundheitsversorgung beleuchteten. Prof. Dr. Marie von Lilienfeld-Toal hob hervor, wie entscheidend es ist, strukturelle Unterschiede zwischen verschiedenen Patientengruppen zu berücksichtigen, um optimale medizinische Therapien zu gewährleisten. Prof. Dr. Gertraud Stadler ergänzte, dass Prävention ohne ein Verständnis von Vielfalt kaum wirksam sei und gesundheitsförderliches Verhalten entscheidende Lebenszeitgewinne ermöglichen könne.

Fokus auf queere Menschen und Gesundheitsgerechtigkeit

In der ersten Session des Kongresses wurde besonders die Versorgung queerer Menschen im Gesundheitssystem behandelt. Hierbei wurden bestehende Lücken aufgezeigt und durch vier Vorträge wissenschaftliche Evidenz sowie praktische Ansätze in Psychotherapie, Medizin und Geburtshilfe thematisiert. Die zweite Session, moderiert von Bianca Flachenecker, stellte fest, dass Gesundheitsgerechtigkeit über Chancengleichheit hinausgeht. Individuelle Unterstützung, die sich an den spezifischen Bedürfnissen der Menschen orientiert, ist unerlässlich. Sozioökonomische Faktoren wie Einkommen, Bildung, Herkunft, Geschlecht und regionale Unterschiede haben erheblichen Einfluss auf die Gesundheit. [2]

Besonders betont wurde, dass eine diversitätssensible Lehre ein Pflichtcurriculum sein sollte. Shreyasi Bhattarchaya, Ärztin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Allgemeinmedizin der Uniklinik Köln, sprach über die Notwendigkeit solcher Lehrangebote. Prof.in Dr. Sabine Ludwig von der Medizinischen Universität Innsbruck stellte Best Practice Beispiele vor, die zeigen, wie geschlechter- und diversitätssensible Lehre als Qualitätsmerkmal fungieren kann. Dr. Ute Siebert von der Charité – Universitätsmedizin Berlin setzte sich mit der Stärkung diversitätsorientierter und rassismuskritischer Lehre auseinander und stellte eine neue Lehrmaterial-Webseite vor.

Rassismus und Mikroaggressionen im Gesundheitswesen

Ein zentrales Thema, das im Rahmen des Kongresses auch zur Sprache kam, ist der Rassismus in der Gesundheitsversorgung. Dieser äußert sich nicht nur in Vorurteilen und abfälligen Bemerkungen, sondern auch in unzureichender Behandlung von Menschen mit Migrationshintergrund oder nicht weißer Hautfarbe (PoC). Eine Studie von Khamai Simpson zeigt, dass betroffene Personen häufig mit Stereotypen konfrontiert werden, die ihre Erfahrungen in Gesundheitseinrichtungen stark negativ beeinflussen. Beispielsweise äußern Behandelnde Vorurteile über die Ernährung oder das Schmerzempfinden von PoC, was zu gefährlichen Fehleinschätzungen führen kann. Mikroaggressionen, die oft in der Arzt-Patient-Beziehung auftreten, lassen viele Betroffene sich fremd und anders behandelt fühlen. [3]

Es wird deutlich, dass hier umfassende Forschung notwendig ist, um das Ausmaß und die Auswirkungen von Diskriminierung im Gesundheitswesen besser zu erfassen. Zudem ist eine Verbesserung der interkulturellen Kompetenz des Personals im Gesundheitsbereich unabdingbar, um das Vertrauen in das Gesundheitssystem zurückzugewinnen. Der Deutsche Diversity Tag, der jährlich im Mai stattfindet, trägt dazu bei, das Bewusstsein für Vielfalt weiter zu stärken.