In Niederösterreich gibt es einen neuen Ansatz, um Ausbildungsbetriebe bei der Gewinnung und Bindung von Lehrlingen zu unterstützen. Die Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ) hat eine Broschüre mit dem Titel „Lehrbetriebsmarketing KOMPAKT“ herausgebracht, die praktische Tipps und Strategien bietet, um sich als attraktive Ausbildungsstätte zu positionieren. Diese Initiative zielt darauf ab, die Ansprache von jungen Talenten zu verbessern und sie langfristig im Betrieb zu halten. Wolfgang Ecker, der Präsident der WKNÖ, unterstreicht den praktischen Nutzen dieser Broschüre und hebt hervor, dass die duale Ausbildung eine zentrale Rolle für die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe spielt.
Die Broschüre deckt eine Vielzahl von Themen ab, die für Ausbildungsbetriebe von Bedeutung sind. Dazu gehören die Präsentation des Unternehmens als attraktiver Lehrbetrieb, die Organisation von Schnupperlehren und die Teilnahme an Lehrlings-Speed-Datings. Darüber hinaus werden Betriebsbesichtigungen und Tage der offenen Tür empfohlen, um direkten Kontakt mit potenziellen Lehrlingen herzustellen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Ansprache der Generation Z sowie die Gestaltung eines modernen Bewerbungsprozesses. Auch der Umgang mit Lehrlingen, die Ausbildungsplanung und rechtliche Hinweise werden behandelt. Zudem werden Möglichkeiten aufgezeigt, die über das Berufsbild hinausgehen, etwa Auslandspraktika oder Zusatzqualifikationen. Die Broschüre wird an alle Ausbildungsbetriebe in Niederösterreich per Post versendet und ist darüber hinaus digital verfügbar. QR-Codes in der Broschüre ermöglichen den direkten Zugriff auf Vorlagen und hilfreiche Unterlagen. Laut einer aktuellen Studie sehen über die Hälfte der Befragten die Lehre als attraktive Karrierechance. In Niederösterreich absolvieren rund 16.400 Jugendliche in etwa 4.200 Betrieben eine Ausbildung. Ecker hebt die Bedeutung der dualen Ausbildung für die Bekämpfung des Arbeitskräftemangels hervor (Quelle).
Duale Ausbildung als Schlüssel zur Fachkräftesicherung
Die Relevanz der dualen Berufsausbildung zeigt sich auch in den aktuellen Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Demnach bleiben die dualen Ausbildungsprogramme für Betriebe attraktiv, um ihren Fachkräftebedarf zu sichern. Die Kosten für die Personalgewinnung über den externen Arbeitsmarkt sind in den letzten Jahren stärker gestiegen als die Nettoausbildungskosten. Eine BIBB-Studie, die über 3.000 ausbildende und mehr als 1.000 nicht ausbildende Betriebe befragte, ergibt, dass die durchschnittlichen Bruttokosten pro Auszubildenden im Ausbildungsjahr 2022/2023 etwa 26.200 Euro betragen. Diese Kosten beinhalten Personalkosten, Ausbildungspersonal sowie weitere Ausgaben wie Kammergebühren und Lehrmaterialien.
Obwohl die Kosten hoch erscheinen, erzielen Auszubildende während ihrer Ausbildung Erträge von rund 18.100 Euro, was etwa 70% der Ausbildungskosten deckt. Bei etwa 25% der Auszubildenden übersteigen die Erträge sogar die Bruttokosten, was zu Nettoerträgen führt. Dennoch bewerten 70% der Betriebe die Lage am Fachkräftemarkt als schlecht oder sehr schlecht. Die Personalgewinnungskosten sind um 65% im Vergleich zu früheren BIBB-Erhebungen gestiegen, während die Nettoausbildungskosten um 28% zugenommen haben. Trotz dieser Herausforderungen bleibt die Investitionsbereitschaft der Betriebe in die duale Berufsausbildung hoch, mit insgesamt 9,7 Milliarden Euro im Ausbildungsjahr 2022/2023, was 1,3 Milliarden Euro mehr als vor fünf Jahren entspricht. Rund 75% der Betriebe zeigen sich bereit, alle Auszubildenden nach der Ausbildung weiter zu beschäftigen (Quelle).
Modernisierung der Ausbildungsordnungen
Ein weiterer Aspekt, der die duale Ausbildung betrifft, ist die laufende Anpassung der Ausbildungsordnungen. Diese sind entscheidend, um bundeseinheitliche Standards für Ausbildungsinhalte, zeitliche Vermittlung und Prüfungen zu gewährleisten. Die staatliche Anerkennung der Abschlüsse dient als Qualitätssiegel für Arbeitgeber und wird kontinuierlich an die digitale und ökologische Transformation angepasst. Wichtige Themen wie Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Digitalisierung finden ebenfalls ihren Platz in den Ausbildungsordnungen. Durch den Modernisierungsprozess profitieren viele Auszubildende, indem sie zukunftsorientiert qualifiziert werden und für eigenverantwortliche Tätigkeiten auf breitem Gebiet vorbereitet werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Integration junger Menschen mit weniger guten Startbedingungen in die Berufsausbildung, was durch Initiativen wie den Nationalen Pakt für Frauen in MINT-Berufen „Komm, mach MINT“ unterstützt wird (Quelle).
Insgesamt zeigt sich, dass die duale Ausbildung in Niederösterreich nicht nur eine Antwort auf den aktuellen Fachkräftemangel ist, sondern auch ein zukunftsweisendes Modell, das junge Menschen auf die Herausforderungen der Arbeitswelt vorbereitet. Mit Initiativen wie der Broschüre „Lehrbetriebsmarketing KOMPAKT“ wird ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung gemacht, um die Attraktivität von Ausbildungsplätzen zu steigern und eine nachhaltige Fachkräftebasis zu schaffen.