In der vergangenen Woche fanden vom 30. September bis 3. Oktober 2025 die Försterstaatsprüfungen an der forstlichen Ausbildungsstätte Traunkirchen statt. Insgesamt traten vier Kandidatinnen und neun Kandidaten an, um ihr Können unter Beweis zu stellen. Die Prüfungskommission, unter dem Vorsitz von MinR. Dipl.-Ing. Ing. Martin NÖBAUER, beobachtete die Teilnehmer genau und bewertete ihre schriftlichen und mündlichen Arbeiten.
Die Prüfungen konzentrierten sich auf ein spannendes Projektthema: die „Neuausrichtung des Forstbetriebes Düsterwald nach Betriebsübernahme“. In den ersten beiden Prüfungsabschnitten arbeiteten die Prüfenden an einer umfassenden schriftlichen Projektarbeit, die sich mit dem 3.000 Hektar großen Forstbetrieb beschäftigte. Hierbei wurden unter anderem Wald, Jagd, Infrastruktur und Finanzen analysiert, sowie wirtschaftliche Kennzahlen wie Hiebsatz und Holzerntekosten ermittelt.
Ergebnisse und Herausforderungen
Die Ergebnisse der Prüfungen können sich sehen lassen: 84,6 % der Teilnehmenden haben die Prüfungen erfolgreich bestanden. Die intensive Auseinandersetzung mit den betriebswirtschaftlichen Aspekten führte dazu, dass vier Försterinnen und sieben Förster mit „befähigt“ beurteilt wurden, während zwei Kandidaten nicht bestanden.
Bei der Analyse der Waldbestände und der Darstellung der aktuellen Situation des Betriebs zeigten die Absolventen umfassende Fachkenntnisse. Dennoch machten sie einige Fehler bei der Zuordnung zu Deckungsbeiträgen und der Verkehrswertberechnung für die gastronomische Nutzung des Forsthauses. Vielfältige Empfehlungen zur Neuausrichtung des Forstbetriebes wurden erarbeitet, wobei der Klimawandel und die Vorschriften des Naturschutzes im Rahmen der Natura 2000-Richtlinien eine zentrale Rolle spielten.
Natura 2000 – Ein Schwerpunkt für die zukünftige Waldbewirtschaftung
Die Erwartungen an die Waldbewirtschafter in Natura-2000-Gebieten sind hoch. Diese Gebiete sind durch das Natura-2000-Netz der Europäischen Union geschützt, welches etwa 375.000 km² Wald umfasst, was rund 21 % der gesamten Waldflächen in der EU ausmacht. Der Schutz und die Bewirtschaftung dieser Gebiete sind durch die Habitat-Richtlinie geregelt, die konkrete Maßnahmen zur Erhaltung der Lebensräume und zur Vermeidung von Störungen fordert.
Besonders hervorzuheben ist, dass die Prüflinge den integrativen Ansatz der Waldbewirtschaftung berücksichtigen müssen, der naturschutzrelevante Elemente in die forstwirtschaftliche Praxis integriert. So wird in der Ausbildung und Prüfung auch auf bewährte Konzepte wie das Alt- und Totholzkonzept (AuT) und die naturnahe Waldbewirtschaftung verwiesen, die in anderen europäischen Ländern erfolgreich umgesetzt werden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Försterstaatsprüfungen nicht nur eine wichtige Qualifikation für die Absolventen darstellen, sondern auch einen Beitrag zur zukunftssicheren und nachhaltigen Waldbewirtschaftung leisten. Angesichts der Herausforderungen durch den Klimawandel und die Einhaltung von Naturschutzrichtlinien haben die Prüfungen die Absolventen bestens auf ihre zukünftigen Aufgaben vorbereitet.