Die Korneuburger Schiffswerft, die von 1852 bis 1993 eine zentrale Rolle als Ausbildungsstätte und Arbeitgeber in der Region spielte, ist nun Gegenstand eines spannenden Forschungsprojekts der Universität für Weiterbildung Krems. In Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum Korneuburg wird die Geschichte der Werft und ihrer Lehrwerkstätte umfassend untersucht. Dabei wurden nicht nur die Ausbildungsbedingungen, sondern auch das kulturelle Erbe der Werft dokumentiert.

In der Lehrwerkstätte konnten die Lehrlinge elf verschiedene Berufe erlernen, darunter Tischler, Schiffsbauer, Schlosser und technische Zeichner. Bemerkenswert ist, dass 80 Prozent der Lehrlinge nach ihrer Ausbildung in der Werft blieben. Diese hohe Bindung spricht für die Qualität der Ausbildung und die Bedeutung der Werft in der Region. Im Rahmen des Projekts wurden rund 800 Objekte zur Geschichte der Lehrwerkstätte aus der Sammlung des Stadtmuseums Korneuburg erforscht.

Zeitzeugen und authentische Erinnerungen

Ein ganz besonderer Aspekt des Forschungsprojekts sind die Zeitzeugen-Interviews mit ehemaligen Mitarbeitern der Werft. Otto Pachner, ein Zeitzeuge, berichtet von 750 Beschäftigten in den 1970er-Jahren und 550 ausgebildeten Lehrlingen in der Zeitspanne von den 1970er-Jahren bis 1993. Diese persönlichen Erinnerungen liefern einen lebendigen Einblick in den Arbeitsalltag der Werft und das Leben der Menschen, die dort tätig waren.

Die Forscher nutzten partizipative Methoden, darunter Sammlungsaufrufe und Interviews mit Zeitzeugen. Eine Schulklasse aus Korneuburg war ebenfalls in das Projekt eingebunden, führte Gespräche mit Zeitzeugen und erstellte Beiträge für Social Media. Dies fördert nicht nur das Interesse der jüngeren Generation an der regionalen Geschichte, sondern stärkt auch das Gemeinschaftsgefühl.

Vielfalt der Schifffahrt

Ab 1955 erlebte die Werft einen Aufschwung, indem eine Vielzahl von Schiffstypen, darunter Personenschiffe und Hochseeschiffe mit einer Verdrängung von 4.600 Tonnen, gebaut wurden. Ehemalige Werftmitarbeiter sind stolz auf ihre Vergangenheit, und Treffen dieser Gruppe sind gut besucht. Das Forschungsprojekt dokumentiert zudem den Arbeitsalltag, produzierte Objekte, Arbeitskleidung und Arbeitsbücher der Lehrwerkstätte.

Die Ergebnisse der umfangreichen Forschung wurden in einem Buch zusammengefasst und sind Teil einer Ausstellung über die Lehrwerkstätte der Werft Korneuburg, die bis Ende April im Stadtmuseum Korneuburg zu sehen ist. Weitere Informationen finden Sie auch auf noe.orf.at.

Ein Blick auf die maritime Geschichte

Die Korneuburger Schiffswerft ist nicht nur ein bedeutendes Kapitel der regionalen Geschichte, sondern auch Teil eines größeren Narrativs über die maritime Tradition in Österreich. Der Verein „FHS – Freunde Historischer Schiffe“ gibt die Zeitschrift „Österreich Maritim“ heraus, die sich der Geschichte der Schifffahrt und verwandten Themen widmet. Die Zeitschrift erscheint vier Mal jährlich und bietet einen tiefen Einblick in die österreichische Schifffahrts- und Marinegeschichte. Die erste Ausgabe erschien im Juni 2001. Trotz Unterbrechungen aufgrund der Corona-Krise bleibt das Interesse an maritimer Forschung ungebrochen. Auf der Website von „Österreich Maritim“ finden sich zahlreiche Ressourcen und weiterführende Informationen zur k.u.k. Kriegsmarine und anderen maritimen Themen.

Insgesamt zeigt das Forschungsprojekt, wie wichtig es ist, das kulturelle Erbe der Korneuburger Schiffswerft zu bewahren und den nachfolgenden Generationen näherzubringen. Durch die Kombination von Forschung, Bildung und Gemeinschaftsengagement wird die Geschichte lebendig gehalten und weiterhin geschätzt.