In Korneuburg wird die Situation im Pflege- und Betreuungszentrum (PBZ) aktuell intensiv diskutiert. Der Neubau, der 2024 für stolze 28 Millionen Euro eröffnet wurde, sollte eigentlich frischen Wind in die Pflege bringen. Doch die harten Arbeitsbedingungen werfen einen Schatten auf die positiven Entwicklungen. Nicole Matausch, die Pflegedirektorin, ist sich der Herausforderungen bewusst und hat bereits Maßnahmen zur Entlastung der Mitarbeitenden in die Wege geleitet. „Wir haben Ideen und Lösungsvorschläge von unserem Pflegeteam eingeholt“, erklärt sie. Ab dem 9. Februar soll ein neues Vier-Gruppen-System eingeführt werden, um die Arbeitslast besser zu verteilen.
Die Arbeitszeiten im PBZ sind flexibel gestaltet. Neben 12-Stunden-Schichten können die Mitarbeitenden auch kürzere Dienstformen von beispielsweise 6 Stunden wählen. Zudem sind kurze Pausen erlaubt, und bei längeren Schichten ist eine bezahlte Mittagspause vorgesehen. Doch trotz dieser Maßnahmen sind die Krankenstände im Januar 2026 angestiegen, was auf eine vermehrte Belastung der Pflegekräfte hinweist. Eine Kündigungswelle kann die Direktion allerdings nicht bestätigen; im letzten halben Jahr gab es nur einen einzigen Abgang unter den Mitarbeitenden.
Hintergründe zum Pflegenotstand
Das Problem der harten Arbeitsbedingungen und der Personalmangel ist nicht nur in Korneuburg ein Thema. In ganz Deutschland herrscht seit Jahren ein Pflegenotstand. Trotz der erhöhten Aufmerksamkeit während der Corona-Krise sind die Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen weiterhin unzureichend geblieben. Bettina Rödig, eine Kinderkrankenpflegerin und Betriebsrätin, fordert daher eine grundlegende Verbesserung der Bedingungen sowie mehr Selbstbewusstsein unter den Pflegekräften. Eine Umfrage zeigt, dass 94% der Befragten bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen für systemrelevante Berufe unterstützen.
Der Fachkräftemangel ist akut und wird durch die fortschreitende Ökonomisierung der Krankenhäuser weiter verschärft. Der Deutsche Pflegerat schätzt, dass bis 2034 rund 500.000 Pflegekräfte fehlen werden. Selbst wenn sich die Arbeitsbedingungen verbessern, wird ein zusätzlicher Bedarf von mehr als 191.000 Pflegekräften bis 2040 erwartet. Diese Entwicklungen verlangen nach einer umfassenden Reform im Gesundheitswesen.
Maßnahmen zur Verbesserung
Jochen Pimpertz vom Institut der deutschen Wirtschaft warnt, dass die Anzahl der Pflegebedürftigen bis 2040 auf rund sechs Millionen steigen wird. Um dem entgegenzuwirken, planen Union und SPD eine „große Pflegereform“. Diese soll Vorschläge zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und zur Anwerbung ausländischer Pflegekräfte beinhalten. Auch die Einführung eines „Pflegegeldes“ für pflegende Angehörige steht auf der Agenda von Bundesfamilienministerin Karin Prien.
In Korneuburg hat die Direktion bereits Schritte unternommen, um die Situation zu stabilisieren. Betriebsrats-Vorsitzender Patrick Haider hebt hervor, dass die Führung an der Stabilisierung der Situation arbeitet und es zahlreiche Möglichkeiten für Mitarbeitende gibt, Hilfe bei Überlastung zu suchen. Diese Wege wurden bisher jedoch nicht genutzt. Das Pflegeteam wird weiterhin in die Pflegeorganisation eingebunden, was eine wichtige Maßnahme zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen darstellt.
Der regionale Pflegepool Weinviertel wurde ins Leben gerufen, um bei kurzfristigen Personal-Ausfällen Unterstützung zu bieten. Wie die Entwicklung in Korneuburg zeigt, ist die Situation in der Pflege ein komplexes Zusammenspiel aus vielen Faktoren, das sowohl auf lokaler als auch auf nationaler Ebene gelöst werden muss. Die Herausforderungen sind groß, doch mit der richtigen Politik und einer besseren Einbindung der Pflegekräfte könnte ein positiver Wandel in der Branche erreicht werden.
Für weitere Informationen zu den aktuellen Herausforderungen und Lösungen im Pflegebereich können Sie die Artikel auf heute.at, Böckler.de und Deutschlandfunk lesen.