Im Stadtsaal Hollabrunn steht ein neues Theaterstück auf dem Programm, das die Schattenseiten der Gaming-Kultur kritisch beleuchtet. Das Stück mit dem Titel „Reset Your Mind“ des Theater Jugendstil richtet sich an Schüler ab zwölf Jahren und thematisiert wichtige gesellschaftliche Herausforderungen. Insbesondere die Themen Außenseiter, Machtgefälle und Mobbing in der digitalen Welt werden aufgegriffen. Das Theater Jugendstil, das 2011 zur Förderung der Jugendtheaterkultur gegründet wurde, bringt mit Schauspielern wie Mirkan Öncel und Susanne Preissl eine packende Geschichte auf die Bühne, die das Publikum zum Nachdenken anregen soll.

„Reset Your Mind“ stellt tradierte Rollenbilder in Frage und kritisiert die Sexualisierung weiblicher Avatare in Videospielen. Die Charaktere „Killer Kitty“ und „Steel Man“ dienen als Prototypen für die Themen, die das Stück behandelt. Ein zentraler Appell des Stückes ist es, Body Positivity, Diversität und Toleranz im Netz zu fördern. Die Aufführungen sind nicht nur unterhaltsam, sondern regen auch zur Selbstreflexion an. Jugendliche Zuschauer erkennen sich oft in den dargestellten Verhaltensmustern wieder, was während der Aufführung zu viel Gelächter führt. Nach der Vorstellung findet ein Dialog zwischen den Schauspielern und dem Publikum statt, in dem Erfahrungen mit Gaming, Respektlosigkeit und Mobbing besprochen werden. Die Schauspieler rufen das Publikum dazu auf, Zivilcourage im virtuellen Raum zu zeigen und Unterstützung bei Mobbing oder exzessivem Zocken zu suchen Quelle.

Die Rolle der Gaming-Community

Die Diskussion über toxisches Verhalten in der Gaming-Community ist aktueller denn je. Gamer können aktiv zur Inklusion, Toleranz und Frieden in der Szene beitragen. Es gibt bereits Plattformen, die es Nutzern ermöglichen, diskriminierendes Verhalten zu melden, was zu Sperrungen führen kann. Julius Dorsel von Mucks! Games betont die Bedeutung, problematisches Verhalten zu melden und Täter zu konfrontieren. Zudem setzen sich Communitys verstärkt für inklusive Gaming-Plattformen ein, die toxisches Verhalten nicht dulden. Clara Deitmar von Mucks! Games kritisiert die hypersexualisierten Darstellungen weiblicher Charaktere und fordert, dass Entwickler divers gestaltete Spiele entwickeln Quelle.

Es ist bekannt, dass weltweit etwa 2,3 Milliarden Menschen Videospiele spielen, davon über 34 Millionen allein in Deutschland. Besonders auffällig ist, dass fast die Hälfte dieser Spieler Frauen sind. Beliebte Endgeräte sind Smartphones, gefolgt von Computern und Konsolen wie der Nintendo Switch und der Playstation 4. Die mediale Aufmerksamkeit für die Gaming-Welt konzentriert sich oft auf negative Ereignisse, während positive Entwicklungen und der Einsatz für Diversität und Inklusion häufig in den Hintergrund geraten. Ein Beispiel für die Herausforderungen in der Branche ist die Gamergate-Kampagne von 2014, die zu Hass und Drohungen gegen Frauen und marginalisierte Gruppen führte. Auch die Diskussion über Rassismus in Videospielen wird zunehmend wichtig, da die Repräsentation nicht-weißer Personen oft mangelhaft ist Quelle.

Ein Aufruf zur Veränderung

Die Herausforderungen, die im Theaterstück „Reset Your Mind“ angesprochen werden, spiegeln die Realität in der Gaming-Welt wider. Das Stück fordert nicht nur zur Reflexion über das eigene Verhalten auf, sondern appelliert auch an die Gaming-Community und Entwickler, für ein respektvolles Miteinander einzutreten. Studien zeigen, dass inklusive Darstellungen den Anteil weiblicher Spielerinnen erhöhen, was für eine vielfältigere und akzeptierende Gaming-Kultur spricht. Es bedarf einer stärkeren Zusammenarbeit zwischen Community und Entwicklern sowie einem konsequenten Melden von Entgleisungen, um die Situation nachhaltig zu verbessern. Die Sensibilisierung für Sprache und Inhalte im Spielentwicklungsprozess ist entscheidend, um Diskriminierung und toxisches Verhalten im Gaming zu reduzieren.

Die Aufführungen von „Reset Your Mind“ sind daher nicht nur ein kulturelles Ereignis, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur gesellschaftlichen Diskussion über die Gaming-Kultur und deren Herausforderungen. Der Weg zu einer besseren Repräsentation und einem respektvollen Miteinander in der Gaming-Welt ist noch lang, doch jede Stimme zählt.