Am 8. März 2026, anlässlich des Internationalen Frauentags, fand in Hollabrunn ein Frauenfrühstück des Vereins Frauen für Frauen statt. Die Veranstaltung hatte das Ziel, wichtige Themen wie Gleichstellung, gesellschaftliche Verantwortung und Gewaltprävention in den Mittelpunkt zu rücken. Geschäftsführerin Manuela Kräuter hob in ihrer bewegenden Rede hervor, dass trotz der erzielten Fortschritte die Gleichberechtigung noch lange nicht erreicht sei. So verdienen Frauen in Österreich im Durchschnitt 18 Prozent weniger als Männer, und mehr als die Hälfte der erwerbstätigen Frauen arbeitet Teilzeit und leistet erheblich mehr unbezahlte Sorgearbeit.
Ein besonders alarmierendes Thema war die finanzielle Situation von Frauen im Alter: Im Durchschnitt erhalten sie 40 Prozent weniger Pension als ihre männlichen Kollegen. Zudem sind 666.000 Frauen in Österreich als armuts- oder ausgrenzungsgefährdet eingestuft. Ein weiterer erschreckender Fakt ist, dass jede dritte Frau in Österreich körperliche oder sexualisierte Gewalt erlebt. Kräuter verwies auch auf lokale Fälle von Gewalt gegen Frauen, darunter der tragische Fall von Jennifer Scharinger und ein Femizid im Bezirk Mistelbach. Der Leitsatz der Veranstaltung lautete: „Nur was sichtbar wird, kann verändert werden“, und der Verein rief zur Übernahme von Verantwortung für mehr Gleichberechtigung auf.
Initiativen und Projekte für Frauen
Im Rahmen des Frühstücks wurde ein StoP-Plakat vorgestellt, das Männer aus der Region zeigt, die sich aktiv gegen Gewalt an Frauen positionieren. Außerdem kündigte der Verein einen Jugend-Projekt-Wettbewerb im Rahmen der „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ an. Eine Initiative mit dem Titel „Gehen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen“ wird vom 10. bis 14. September organisiert, bei der eine Wanderung von Mistelbach bis zum Michelberg stattfinden soll. Die Veranstaltung endete mit einem Achtsamkeitsspaziergang und einer kreativen Schreibwerkstatt zum Thema „Weibliche Kraft“.
Der Verein Frauen für Frauen setzt sich seit über 35 Jahren für die Stärkung von Frauen und Mädchen im Weinviertel ein und wird dabei von öffentlichen Fördergebern, insbesondere des Landes Niederösterreich und des Arbeitsmarktservice Niederösterreich, unterstützt. Diese wertvolle Arbeit ist notwendig, denn laut dem Bundeskriminalamt (BKA) ist geschlechtsspezifische Gewalt in Deutschland im Jahr 2023 um 56,3 % im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Dies zeigt, wie wichtig die Aufklärungsarbeit und die Unterstützung von Frauen in der Gesellschaft sind.
Herausforderungen im Hilfesystem
Trotz der vorhandenen Hilfsangebote, darunter rund 400 Frauenhäuser und über 40 Schutzwohnungen in Deutschland, gibt es einen Mangel an Schutzplätzen. Oft bleibt der Zugang zu diesen Hilfsangeboten für Frauen, insbesondere für solche mit Mehrfachdiskriminierungen, erschwert. Armut ist ein zentraler Ausschlussfaktor im Hilfesystem; viele Frauen ohne eigenes Einkommen haben Schwierigkeiten, sich aus gewaltvollen Beziehungen zu lösen. Zudem sind Frauen mit Behinderungen und geflüchtete Frauen besonders gefährdet und erleben häufig Gewalt, während sie oft keinen Zugang zu geeigneten Hilfsangeboten haben.
Die Notwendigkeit, Hilfsangebote an die Bedarfe von mehrfachdiskriminierten Personen anzupassen, wird von Experten immer wieder betont. Barrieren im Hilfesystem entstehen aus finanziellen und bürokratischen Gründen. Es ist entscheidend, dass nicht nur die bestehenden Angebote verbessert werden, sondern auch neue, spezialisierte Angebote für spezifische Gruppen geschaffen werden. Eine Sensibilisierung der Fachkräfte und der Aufbau von Betroffenenbeiräten sind weitere wichtige Schritte, um Hürden frühzeitig zu erkennen und die Wirksamkeit des Hilfesystems zu prüfen.
Die umfassende Diskussion über Gewalt gegen Frauen und die Notwendigkeit von Gleichstellung ist unerlässlich, um Veränderungen zu bewirken. Der Verein Frauen für Frauen und ähnliche Initiativen tragen maßgeblich dazu bei, die Sichtbarkeit dieser Themen zu erhöhen und das Bewusstsein in der Gesellschaft zu schärfen. Nur gemeinsam können wir für eine gerechtere Zukunft kämpfen, in der jede Frau in Sicherheit und mit gleichen Rechten leben kann.
Für weitere Informationen und um die Arbeit des Vereins zu unterstützen, besuchen Sie die Webseite von MeinBezirk.