Im Bezirk Hollabrunn wird eine beeindruckende Bilanz über zwei Jahrzehnte am Arbeitsmarkt gezogen. Peter Kirchner, der Leiter des AMS Hollabrunn, hat die Entwicklungen der letzten 20 Jahre in einer umfassenden Analyse zusammengefasst. Der Arbeitsmarkt hat sich stabil entwickelt, auch wenn er sich gleichzeitig verändert hat. Ein Zuzug von Menschen und ein klarer Strukturwandel hin zum Dienstleistungssektor prägen die Region. Insbesondere kleine und mittlere Betriebe stellen einen zentralen Beschäftigungspfeiler dar, während sanfter Tourismus zusätzliche Impulse bringt.

Der Bezirk Hollabrunn bleibt zudem eine starke Auspendlerregion Richtung Wien. Verbesserte Kinderbetreuungsangebote fördern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, während die Mobilität im öffentlichen Verkehr nach wie vor eine Herausforderung darstellt. Die Zahlen sprechen für sich: Die Beschäftigung stieg von 19.533 unselbstständig Beschäftigten im Jahr 2006 auf 20.429 im Jahr 2025. Gleichzeitig sank die Arbeitslosigkeit von 1.376 im Jahr 2006 auf 1.194 im Jahr 2025, und die Arbeitslosenquote verringerte sich von 6,6 % auf 5,5 %, was unter dem niederösterreichischen Durchschnitt liegt. Frauenbeschäftigungsanteil stieg und die Jugendarbeitslosigkeit ging durch verschiedene Fördermaßnahmen zurück.

Veränderungen und Herausforderungen

Doch nicht alles ist rosig: Die Arbeitslosigkeit unter den über 50-Jährigen nahm zu, und die Nachfrage nach Arbeitskräften hat sich verschoben. Offene Stellen im Handel sowie im Gesundheits- und Sozialbereich sind keine Seltenheit. Ein zentraler Punkt bleibt der Fachkräftemangel, der als zentrales Zukunftsthema gilt. Der demografische Wandel und die Digitalisierung werden den Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren weiter verändern.

Wirtschaftliche Krisenjahre führten zwar zu kurzfristigen Anstiegen der Arbeitslosigkeit, doch der Markt erholte sich schnell. Der steigende Einsatz ausländischer Fachkräfte konnte den Mangel abfedern, ein Problem, das auch in den Nachbarländern zu beobachten ist. Die Fachkräfteausbildung wird entscheidend für die kommenden Jahre sein, besonders für Personen ohne Ausbildung und Jobsuchende mit gesundheitlichen Einschränkungen.

Fachkräftemonitoring und künftige Entwicklungen

Wie das Fachkräftemonitoring des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) zeigt, wird die Mittelfristprognose von 2025 bis 2029 Arbeitsmarktströme analysieren. Ziel ist es, ungenutzte Potenziale bei Frauen, Nicht-Deutschen und älteren Arbeitnehmern zu identifizieren. Diese Analyse berücksichtigt auch Annahmen zu Digitalisierung, Klimawandel und Außenhandelsentwicklungen und schließt die Lücke zwischen Engpassanalysen und Langfristprognosen. Bis 2029 werden voraussichtlich rund 530.000 Fachkräfte fehlen, trotz ansteigender Nachfrage in bestimmten Branchen. Die Weiterbildung wird als wichtig erachtet, um Mismatch zwischen Qualifikationen und Anforderungen zu verringern.

Die Erwerbsbeteiligung älterer Arbeitnehmer könnte kurzfristig das Arbeitskräfteangebot erhöhen, während eine erhöhte Beteiligung von Frauen und Nicht-Deutschen langfristig positive Effekte verspricht. Regionale Unterschiede im demografischen Wandel könnten Fachkräfteengpässe besonders in strukturschwachen Regionen verstärken. In Deutschland gibt es derzeit knapp 35 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, darunter über 8 Millionen mindestens 55 Jahre alt, die in den kommenden Jahren in Rente gehen werden, was einen der höchsten Anteile an Altersabgängen in der Geschichte der Bundesrepublik darstellt.

Fazit und Ausblick

Die Entwicklungen im Bezirk Hollabrunn sind ein Mikrokosmos der Herausforderungen, die der Arbeitsmarkt in Deutschland insgesamt zu bewältigen hat. Die Rolle ausländischer Beschäftigter wird immer wichtiger, da sie nicht nur zur Stabilität des Marktes beitragen, sondern auch zur Diversifizierung der Qualifikationen. Umso entscheidender wird es sein, die Integration von Zugewanderten in den Arbeitsmarkt zu fördern, da Sprachkompetenzen für deren Erfolg unerlässlich sind. Die kommenden Jahre stehen also im Zeichen der Anpassung und Weiterbildung, um den Anforderungen eines sich wandelnden Arbeitsmarktes gerecht zu werden.

Für weiterführende Informationen zu diesen Themen können Sie die vollständige Analyse von Peter Kirchner auf MeinBezirk einsehen. Weitere Details und Prognosen finden sich im Fachkräftemonitoring des BMAS sowie im IAB-Kurzbericht über demografischen Wandel und Arbeitskräftemangel.