Die Stadt Schwäbisch Gmünd sieht sich seit 2020 mit einer grundlegenden Umstellung in ihrem kommunalen Rechnungswesen konfrontiert. Ein Gesetz des Landes verpflichtet die Kommune, Jahresabschlüsse zu erstellen, um den finanziellen Zustand der Stadt transparenter abzubilden. Diese Umstellung von der bisherigen Kameralistik auf die doppelte kommunale Buchführung, kurz Doppik, hat weitreichende Folgen, die es zu bewältigen gilt.
Um die Jahresabschlüsse für die Jahre 2020 und 2021 fristgerecht zu erstellen, ist die Stadt auf externe Berater angewiesen. Ein Angebot zur Beauftragung dieser Berater beläuft sich auf stolze 362.355 Euro. Stadtkämmerer René Bantel erklärt, dass die Detailarbeit für die Jahresabschlüsse äußerst aufwendig sei. Aktuell fehlt es der Stadt an genügend Personal, um diese Aufgaben selbst zu stemmen. In der Tat hinkt Gmünd mit den Jahresabschlüssen um ein halbes Jahrzehnt hinterher – ein besorgniserregender Rückstand, den auch die anderen Kommunen in Baden-Württemberg betreffen, die insgesamt mit 4000 bis 5000 ausstehenden Jahresabschlüssen kämpfen.
Die Doppik im Detail
Die Doppik, die in Schwäbisch Gmünd eingeführt wird, basiert auf einem dreikomponenten Rechnungskonzept. Sie erfasst Vermögen und Schulden und soll eine umfassende, transparente Finanzplanung ermöglichen. Ziel ist es, die finanzielle Lage der Kommune besser abzubilden und die Verwaltungssteuerung zu unterstützen. Die Buchführung und Zahlungsabwicklung der Haushaltsbewirtschaftung führen zum Jahresabschluss, der neben der Bilanz auch eine Ergebnisrechnung umfasst. Diese zeigt das Ressourcenaufkommen und -verbrauch und ist entscheidend für die Ermittlung des Jahresüberschusses oder -fehlbetrags.
Die Gemeindeordnungen und -verordnungen der Länder legen die Grundsätze der kommunalen Rechnungslegung fest, und die Bestandteile des Jahresabschlusses sind klar definiert. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Kosten- und Leistungsrechnung, die die Wirtschaftlichkeit der Verwaltung unterstützen soll. In vielen Bundesländern, wie beispielsweise Bayern, Thüringen und Schleswig-Holstein, haben Kommunen jedoch ein Wahlrecht, was die Anwendung der Doppik betrifft.
Kritik und Ausblick
Die hohen Kosten für die externen Berater stehen in der Kritik, was vor allem von Stadtrat Peter Vatheuer (FDP/FW) und Oberbürgermeister Richard Arnold geäußert wurde. Um in Zukunft die Abhängigkeit von externen Beratern zu verringern, plant Stadtkämmerer Bantel, die eigenen Mitarbeiter für zukünftige Bilanzen fit zu machen. Dies könnte langfristig dazu führen, dass die Stadt unabhängiger agieren kann und die finanziellen Mittel besser eingesetzt werden.
Die Einführung des Neuen Kommunalen Finanzmanagements stellt eine Herausforderung für viele Kommunen dar. Einige haben bereits Routine in der Bilanzierung entwickelt, während andere noch im Prozess der Umstellung sind. Die Erstellung der ersten Eröffnungsbilanz ist besonders anspruchsvoll, da sie aufgrund ihrer Einmaligkeit wenig Routine bietet. Hierbei kann die Unterstützung von Fachleuten eine wertvolle Hilfe sein, um die komplexen Sachverhalte korrekt abzubilden und eine revisionssichere Dokumentation zu gewährleisten.
Insgesamt lässt sich sagen, dass die Umstellung auf die Doppik in Schwäbisch Gmünd ein notwendiger, jedoch herausfordernder Schritt ist. Es bleibt abzuwarten, wie die Stadt diese Herausforderung meistern wird und inwieweit die angestrebte Transparenz und langfristige Finanzplanung tatsächlich erreicht werden kann. Die Diskussion über die Kosten und die Notwendigkeit externer Hilfe wird sicherlich auch in Zukunft ein zentrales Thema bleiben.
Für tiefergehende Informationen über das kommunale Rechnungswesen und die Doppik empfiehlt sich ein Blick auf die Webseite der KGSt sowie auf die Angebote von BDO, die Unterstützung in der Bilanzierung und Dokumentation anbieten.