In Schwäbisch Gmünd brodelt es: Die Stadtwerke stehen in der Kritik, und das aus gutem Grund. Interims-Geschäftsführer Celestino Piazza hat nun einen Überblick über den Abrechnungsstau gegeben, der viele Kunden betrifft. Bis Ende April 2026 sollen 6000 von 11.000 offenen Zählerablesungen für das Jahr 2024 bearbeitet werden. Besonders Gewerbekunden, die nur das Netz nutzen, warten noch auf 10% ihrer Netz-Abrechnungen für 2024; für 2025 sind bereits beeindruckende 79% abgerechnet. Bei den Kunden, die sowohl Strom als auch Gas beziehen, stehen für 2024 noch 12% der Abrechnungen aus, während für 2025 nur noch 16% offen sind.

Die Situation für Privatkunden ist nicht besser: Sie müssen auf 11.000 offene Zählerablesungen für 2024 warten. Ein Großteil davon, nämlich 5000 Problemfälle, benötigt zusätzliche Zeit zur Bearbeitung. Dies betrifft vor allem Kunden, die keinen Zugang zu ihren Zählerständen gewähren. Ein Lichtblick könnte die Abrechnung der Photovoltaikanlagen sein, die bereits zu 79% erfolgt ist. Hier konnte die Stadtwerke Gmünd Zuschüsse in Höhe von 4,8 Millionen Euro von der Bundesnetzagentur in Anspruch nehmen, wovon 4,4 Millionen abgerechnet sind. Allerdings müssen die offenen 400.000 Euro bis zum 31. Mai abgerechnet werden, um Rückzahlungen zu vermeiden.

Die Kundenabwanderung und der öffentliche Unmut

Die Stadtwerke haben in den letzten drei Jahren einen dramatischen Kundenverlust hinnehmen müssen. Von 38.393 Kunden zu Beginn des Jahres 2023 sind bis Ende Dezember 2025 nur noch 29.920 übrig geblieben. Besonders im Gasbereich ist der Rückgang von 7873 Kunden im Jahr 2023 auf nur 5776 Ende 2025 besorgniserregend. Im Strombereich ging die Zahl der Kunden von 30.520 auf 24.164 zurück. Viele Kunden sind aufgrund von verspäteten oder falschen Abrechnungen frustriert. In den sozialen Netzwerken äußern Bürger ihren Unmut über die Missstände, die unter anderem auch auf ein Versagen der Kommunikation seitens der Stadtwerke zurückzuführen sind.

Die Stadt Schwäbisch Gmünd hat am 13. November die Trennung vom bisherigen Geschäftsführer der Stadtwerke bekannt gegeben. Oberbürgermeister Richard Arnold (CDU), der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke ist, sieht sich in der Verantwortung. Der Verwaltungs-, Wirtschafts- und Finanzausschuss des Gemeinderats wird sich in einer nichtöffentlichen Sitzung mit der Personalie des Geschäftsführers beschäftigen. Anfragen an den Geschäftsführer blieben bis Dienstagabend ohne Rückmeldung.

Vergleich mit anderen Stadtwerken

Die Probleme in Schwäbisch Gmünd sind nicht einzigartig. Ein Blick auf die Stadtwerke München zeigt, dass auch dort ein Abrechnungschaos herrscht. Hier verlor das Unternehmen durch Verzögerungen bei der Abbuchung von Abschlagszahlungen für Strom, Gas und Fernwärme mindestens zehn Millionen Euro. Diese Situation ist zum Teil auf die Energiepreisbremse zurückzuführen, die Ende 2022 beschlossen wurde, um Verbraucher zu entlasten. Auch die Stadtwerke München mussten kurzfristige Kredite aufnehmen, um finanzielle Engpässe zu überbrücken.

Werbung
Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die Stadtwerke Gmünd stehen also nicht allein da, doch die wachsenden Unzufriedenheit und der Verlust von Kunden sollten als Weckruf verstanden werden. Es bleibt abzuwarten, wie das Unternehmen die Herausforderungen meistern wird und ob sie es schaffen, das Vertrauen ihrer Kunden zurückzugewinnen.