Am 24. Juli 2025 wird die Augustinuskirche in Schwäbisch Gmünd zum Schauplatz eines bemerkenswerten Konzerts, das das Werk des deutschen Frühbarocks feiert. Das Ensemble Voces Suaves, bestehend aus talentierten Mitgliedern wie Christina Boner-Sutter, Sara Jäggi (Sopran), Jan Thomer (Alt), Tobias Wicky (Bariton), Joachim Höchbauer (Bass), Orí Harmelin (Theorbe), Matthias Müller (Violone) und Johannes Keller (Orgel), wird an diesem Abend zu hören sein. Besonders bemerkenswert ist, dass das Ensemble ohne Dirigenten arbeitet, was die musikalische Interaktion und Kreativität unter den Musikern fördert. Die Mehrheit der Mitglieder stammt von der Schola Cantorum Basiliensis, einer Institution, die für ihre herausragende Ausbildung in der historischen Aufführungspraxis bekannt ist. [Quelle]

Das Konzert wird ein faszinierendes Programm bieten, das Werke von Komponisten wie Heinrich Schütz, Johann Hermann Schein, Samuel Scheidt und Johann Sebastian Bach umfasst. Besonders hervorzuheben ist das Hauptwerk des Abends: Scheins „Israelsbrünnlein“ aus dem Jahr 1623. Dieses Stück verbindet die polyphone Tradition der Renaissance mit der expressiven Chromatik des italienischen Madrigals und ist ein eindrucksvolles Beispiel für die musikalische Kunstfertigkeit des Frühbarocks.

Johann Hermann Schein und sein Erbe

Johann Hermann Schein, geboren am 20. Januar 1586 in Grünhain, war ein deutscher Komponist und Liedtexter des Frühbarocks. Er war von 1616 bis 1630 Thomaskantor in Leipzig und hinterließ ein bedeutendes musikalisches Erbe. Schein wuchs in einer musikalischen Umgebung auf, nachdem seine Familie nach dem Tod seines Vaters 1593 nach Dresden zog. Dort entwickelte er sein Gesangstalent im Knabenchor der Dresdner Hofkapelle. Sein erstes musikalisches Werk, „Das Venus Kräntzlein“, veröffentlichte er 1609. Auch seine Freundschaft mit Heinrich Schütz war prägend für seine Karriere. [Quelle]

Sein bekanntestes Werk, „Israelsbrünnlein“, ist nicht nur musikalisch beeindruckend, sondern auch kulturell bedeutend, da es alttestamentliche Texte für Leipziger Festanlässe vertont. Schein ist Teil der sogenannten „drei großen Sch“ des deutschen Frühbarocks, zu denen auch Heinrich Schütz und Samuel Scheidt zählen. Seine Werke, darunter „Cymbalum Sionium“ und „Musica boscareccia“, sind Zeugnisse seiner kompositorischen Meisterschaft und seines Beitrags zur Entwicklung der deutschen Musiktradition.

Die Entwicklung der Barockmusik

Die Epoche des Barocks, die von etwa 1600 bis 1750 dauerte, markierte einen entscheidenden Wandel in der europäischen Musikgeschichte. Die Abkehr von der polyphonen Musik der Renaissance hin zur Homophonie führte zu einer stärkeren Betonung des Textes in der Vokalmusik. Dies war die Zeit, in der Opern, Oratorien und Kantaten entstanden und die Instrumentalmusik mit Formen wie Toccata und Sonate innovativ wurde. Viele bedeutende Komponisten, darunter auch Schein, Schütz und Bach, trugen zur Blüte dieser Musikepoche bei. [Quelle]

In Deutschland experimentierte man in dieser Zeit besonders mit Gesangsspielen, die sowohl religiöse als auch weltliche Inhalte behandelten. Die Entwicklungen des Generalbasses und die Affekttheorie, die den emotionalen Ausdruck in der Musik betonten, waren ebenfalls prägende Merkmale dieser Zeit. Der Einfluss italienischer Komponisten war spürbar, jedoch entwickelten deutsche Komponisten ihre eigene, unverwechselbare Stimme.

Das bevorstehende Konzert in Schwäbisch Gmünd verspricht, nicht nur die musikalischen Errungenschaften des Frühbarocks zu zelebrieren, sondern auch das Erbe von Johann Hermann Schein und seinen Zeitgenossen zu ehren. Die Verbindung von historischer Aufführungspraxis und der zeitlosen Schönheit der Musik dieser Zeit wird sicherlich ein unvergessliches Erlebnis für alle Besucher werden.