In Schwäbisch Gmünd stehen die Eigentümer von drei durch einen Hangrutsch bedrohten Häusern unter immensem Druck. Die Stadtverwaltung hat ihnen ein Ultimatum gesetzt: Bis zum 20. Februar müssen sie die Standsicherheit der 21 Wohnungen nachweisen. Andernfalls könnte die Stadt die Räumung anordnen. Diese Situation ist besonders besorgniserregend, da die möglichen Kosten für notwendige Sicherungsmaßnahmen auf etwa zwei Millionen Euro geschätzt werden. Der Hangrutsch selbst stellt ein komplexes Rutschungssystem dar, das eine Länge von ca. 160 Metern und eine Breite von ca. 60 Metern aufweist. Ausgelöst wurde die aktuelle Gefährdung durch Starkregen im Juni 2024, ein Umstand, der nicht unbekannt ist: In der Region gab es bereits frühere Erdrutsche, die zum Teil dramatische Folgen hatten, wie etwa einen Vorfall, bei dem ein ICE aus den Gleisen geworfen wurde, glücklicherweise ohne Verletzte.
Die Rutschung ist seit den 1990er Jahren bekannt, und die Häuser wurden auf massivem Fels errichtet. Ein geotechnisches Gutachten vom November 2025 bestätigt nun die akute Gefährdung. Die Rutschung könnte sich durch weitere Regenfälle auf benachbarte Gebäude ausweiten, was die Sorgen der Bewohner noch verstärkt. Besonders kritisch ist die Lage der gemeinsamen Abwasser-Hebeanlage, die an der Abbruchkante liegt. Im Falle eines Ausfalls dieser Anlage könnte die Stadt die Häuser für unbewohnbar erklären. Um die Situation zu klären, fand am Mittwochabend eine Eigentümerversammlung statt, bei der über die notwendigen Bauarbeiten und deren Finanzierung abgestimmt werden sollte.
Finanzierung und Kosten der Hangsicherung
Die Grobkostenschätzung für die Sicherung des Hangs sowie der betroffenen Gebäude wurde von Geotechnik Aalen erstellt. Diese beläuft sich auf 1.000.000 bis 1.400.000 Euro für die Entwässerung des Rutschkörpers, 350.000 bis 500.000 Euro für die Sicherung des Gebäudes Oberbettringer Straße 77 und 150.000 bis 200.000 Euro für die Sicherung der Gebäude 75 und 79. Celestino Piazza, Chef der Vereinigten Gmünder Wohnungsbaugesellschaft, betont, dass eine gemeinsame Sicherung der drei Gebäude erforderlich ist, um langfristige Stabilität zu gewährleisten. Die Eigentümer fürchten jedoch zusätzliche Kosten für die Einrichtung der Baustraße, die auf bis zu 600.000 Euro geschätzt werden.
Insgesamt könnten die Gesamtkosten für die Hangsicherung bis zu zwei Millionen Euro betragen. Bürgermeister Christian Baron appelliert an die Versicherungen, ihren Versicherungsnehmern in dieser kritischen Lage Beistand zu leisten. Bei der nächsten Eigentümerversammlung stehen unter anderem die Beauftragung der Geotechnik Aalen zur Ausschreibung der Bauarbeiten und die Sicherung der gemeinsamen Hebeanlage auf der Tagesordnung. Zudem wird die Prüfung einer gemeinsamen Finanzierung über ein gesamtschuldnerisches Darlehen diskutiert, um die Baukosten auf die drei Häuser zu verteilen.
Ursachen und Gefahren von Hangrutschungen
Hangrutschungen wie in Schwäbisch Gmünd sind häufig die Folge starker Niederschläge, die Wasser in tiefere Bodenschichten eindringen lassen. Dies führt dazu, dass zuvor gebundene Bodenschichten sich lockern und schließlich unter dem Einfluss der Schwerkraft abrutschen. Neben starkem Regen können auch Erosionen, Bergbau, Erdbeben und das Auftauen von Permafrostboden zu Hangrutschungen führen. Gebäude in Hangrutschgebieten, die Schwachstellen aufweisen oder ohne geeignete Hangsicherungsmaßnahmen errichtet wurden, sind einem erhöhten Risiko ausgesetzt.
Wenn sich ein Hang rutscht, können selbst leichte Rutschungen Risse im Mauerwerk verursachen und Fenster oder Glastüren beschädigen. Bei einer Bewegung der Hangrutschung besteht die Gefahr, dass das Gebäude in Schräglage gerät oder sogar umkippt. Daher ist es wichtig, präventive Maßnahmen zu ergreifen, wie das Vermeiden von Bauten in Hanglagen mit Hangrutschgefahr oder die rechtzeitige Durchführung von Hangsicherungsmaßnahmen. Die aktuelle Situation in Schwäbisch Gmünd ist ein eindringliches Beispiel dafür, wie wichtig es ist, sich mit den Risiken von Hangrutschungen auseinanderzusetzen und rechtzeitig zu handeln.
Für weitere Informationen und einen tieferen Einblick in die Problematik kann der Artikel auf SWR Aktuell und Gmünder Tagespost nachgelesen werden. Zudem bietet das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe wertvolle Informationen über das Verhalten im Falle von Hangrutschungen.