In Schwäbisch Gmünd wurde am Schmutzigen Donnerstag, dem Höhepunkt der Fasnet, das Rathaus gestürmt. Bei windigem und regnerischem Wetter, das pünktlich zum Start des Sturms um 16:07 Uhr aufhörte, versammelte sich das entschlossene Faschingsvolk vor dem Rathaus. Die Guggenkapelle Überdruck heizte mit ihrem mitreißenden Hit „Das ist alles nur geklaut“ die Stimmung an. Um 16:16 Uhr stellte sich Bürgermeister Baron, im Leopardenjacket, mit weiteren kostümierten Verteidigern den Narren entgegen, die in bunten Kostümen als Äffchen, Palmen und Löwen auftraten.
Die Energie und Begeisterung unter den Teilnehmern war spürbar, als die Faschingsfreunde mit Choreografien und Musikstücken wie „In the Jungle“ und „I like to move it“ für gute Laune sorgten. Schließlich gelang es den Narren, das Rathaus zu stürmen und die Macht zu übernehmen. Um 16:55 Uhr fand die feierliche Schlüsselübergabe statt, bei der Bürgermeister Baron den Schlüssel an Prinzessin Julia I. und Prinz Max I. überreichte. Damit wurde die „Regierung des Spaßes und der Freude“ ausgerufen. Für die kommenden Tage sind weitere Veranstaltungen wie Faschings-Bälle und die 50. Gmünder Fasnetumzug am Dienstag geplant, bevor nach dem Fasching der Alltag zurückkehrt.
Tradition und Guggenmusik
Die Gmünder Fasnet hat eine lange Tradition, die jährlich mit dem regionalen Guggenmusiktreffen am 11. November eingeläutet wird. Hier zeigen mehrere Guggenmusikkapellen aus der Region ihr Können. Der Umzug, der durch die historische Altstadt bis zum Marienbrunnen führt, ist ein farbenfrohes Spektakel, bei dem die Instrumente gereinigt und zur Rathausübergabe gebracht werden. Auch die Symbolfigur der Gmender Fasnet, das Silbermännle, und die närrischen Tollitäten werden abgeholt, bevor eine große Guggenparty mit Auftritten aller Kapellen zum Abschluss kommt. Zu den Feierlichkeiten gehört auch die Prunksitzung der Gmender Fasnet, die mit humorvollen Einlagen und Kritik an der Gmünder Obrigkeit aufwartet, geleitet von Sitzungspräsident Robin Kucher.
Der Gmünder Fasnetsumzug, der jährlich am Fasnetsdienstag stattfindet, gilt mittlerweile als einer der schönsten und größten Umzüge in der Region mit etwa 60.000 Besuchern und rund 80 teilnehmenden Gruppierungen. Entlang der Umzugsstrecke sorgen Bewirtungsstände für das leibliche Wohl der Gäste. Nach dem Umzug gibt es im Innenhof des Kulturzentrums Prediger einen Kehraus, bei dem Preise für die besten Beiträge in verschiedenen Kategorien vergeben werden.
Guggenmusik: Ein Teil der Kultur
Die Guggenmusik, die bei diesen Festlichkeiten eine zentrale Rolle spielt, ist eine faszinierende Form der Musik, die ihre Wurzeln bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen kann. Ursprünglich spielte man mit lärmenden Instrumenten, um den Winter auszutreiben und böse Dämonen zu vertreiben. Die modernen Guggenmusikkapellen, die heute in vielen Fasnachtshochburgen in Baden-Württemberg aktiv sind, präsentieren mehrstimmig arrangierte Hits und nutzen eine Vielzahl von Instrumenten. Diese Form der Musik hat sich seit den 1870er Jahren, als sie in Basel, Schweiz, entstand, stark weiterentwickelt und wurde 2014 als immaterielles Kulturerbe Deutschlands anerkannt.
Die Mitglieder der Guggenmusikkapellen investieren viel Zeit in Proben und Organisation, um ein Gemeinschaftsgefühl zu schaffen und die Tradition lebendig zu halten. In Schwäbisch Gmünd sind sie ein unverzichtbarer Bestandteil der Fasnet, die auch in der Region eine große Begeisterung auslöst. So ist die Fasnet nicht nur ein Fest des Feierns, sondern auch eine tief verwurzelte Tradition, die Gemeinschaft und Freude bringt.
Für weitere Informationen zur Veranstaltung und zur Geschichte der Gmünder Fasnet besuchen Sie bitte die Remszeitung oder die offizielle Webseite der Stadt Schwäbisch Gmünd, sowie die umfassende Analyse der Guggenmusik.