Heute ist der 20.02.2026 und in Gmünd sorgt ein alter Grabstein auf dem Friedhof für Gesprächsstoff unter der jungen Generation. Der Artikel von Bernd Müller in der Gmünder Tagespost beschreibt, wie eine 18-Jährige einen Grabstein entdeckt, der die Inschrift „Privatier“ trägt. Diese Entdeckung führt sie auf eine Reise in die Vergangenheit, während sie gleichzeitig über die Lebensmodelle ihrer Altersgenossen nachdenkt. Der Begriff „Privatier“ ist ihr unbekannt, und als sie ältere Familienmitglieder fragt, erklärt ihr ein Onkel, dass es sich dabei um jemanden handelt, der es sich leisten kann, nicht zu arbeiten – ein Konzept, das aus dem Französischen stammt und idealerweise mit „Savoir Vivre“ verbunden ist.
In unserer heutigen Welt sind viele junge Menschen im Alter von 17 bis 19 Jahren von der Vielzahl an Berufsmöglichkeiten überfordert. Es gibt eine bemerkenswerte Tendenz, nach der Schule zunächst keine feste Anstellung anzunehmen, sondern sich Zeit zu nehmen, um Orientierung zu finden. Stattdessen ziehen es viele vor, zunächst zu jobben, Praktika zu machen oder zu reisen – beispielsweise durch „Work and Travel“. Die Idee, Privatier zu werden, erscheint für viele von ihnen ansprechend. So plant auch die besagte 18-Jährige einen Urlaub mit ihrem Freund nach Italien, um „La Dolce Vita“ zu erleben.
Einblick in die römische Grabinschrift
Grabinschriften sind nicht nur ein modernes Phänomen, sondern haben auch eine lange Geschichte, die bis zu den römischen Zeiten zurückreicht. Die römischen Grabinschriften sind in Latein verfasst und finden sich auf Grabstelen, Sarkophagen oder Altären. Sie folgen bestimmten Konventionen und bieten persönliche Details über den Verstorbenen, wie etwa den Namen, Titel und soziale Stellung. Oft beginnen sie mit der Widmung „D.M.“ (Dis Manibus) – „Den Geistern der Verstorbenen“.
Die Struktur solcher Inschriften ist nicht nur informativ, sondern auch emotional. Sie können das Alter und die Lebensdaten des Verstorbenen enthalten, sowie das Verhältnis des Widmenden zu der Person. Darüber hinaus sind sie oft mit persönlichen Elementen angereichert, die emotionale Botschaften, Lebensleistungen oder humorvolle Bemerkungen vermitteln. Historische Inschriften erzählen Geschichten von Soldaten, Frauen, Kindern und sogar Sklaven, die Einblicke in ihr Leben und ihre Errungenschaften geben.
Die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart
Die römischen Grabinschriften sind nicht nur Zeugnisse des Lebens, sondern auch der Kultur und des Glaubens der Römer. Sie spiegeln die Werte der damaligen Gesellschaft wider und sind oft von einem tiefen Glauben an das Jenseits geprägt. Inschriften wie „NATUS SUM, VIXI, MORTUUS SUM, NIHIL INTEREST“ (Ich wurde geboren, ich lebte, ich starb – es macht keinen Unterschied) zeigen philosophische Reflexionen über das Leben und den Tod.
Der Grabstein mit der Inschrift „Privatier“ auf dem Gmünder Friedhof könnte somit als ein modernes Pendant zu den römischen Grabinschriften gesehen werden. Er regt dazu an, über das eigene Leben, die eigenen Lebensentscheidungen und den Umgang mit der Zeit nachzudenken. Während die junge Generation in Gmünd von der Idee des Privatier-Seins inspiriert wird, erinnern uns die antiken Inschriften daran, wie wichtig es ist, die eigene Geschichte und die Geschichten anderer zu würdigen. In diesem Sinne sind Grabsteine und Inschriften mehr als nur Erinnerungen – sie sind Brücken zwischen den Generationen und den Zeiten.