Heute ist der 16.02.2026, und wir werfen einen Blick auf die aktuelle Lage in Gänserndorf, die sowohl Herausforderungen als auch positive Entwicklungen mit sich bringt. Philipp Teufl, der Bezirksstellenleiter der Wirtschaftskammer Gänserndorf, beschreibt die Situation als herausfordernd, aber mit einer leicht positiven Stimmung. Im vergangenen Jahr konnte die Wirtschaftskammer über 800 neue Mitglieder verzeichnen, womit sich die Gesamtzahl auf 6.300 Mitglieder im Jahr 2025 erhöht hat. Diese Zahlen sind ein Zeichen für das wachsende Interesse an unternehmerischen Aktivitäten und zeigen, dass die lokale Wirtschaft an Dynamik gewinnt. Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass die Anzahl der Betriebe, die Lehrlinge ausbilden, auf über 200 gestiegen ist. Rund 500 Lehrlinge werden aktuell im Bezirk ausgebildet, was angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels von großer Bedeutung ist.
Die Ausbildung junger Menschen hat in der Region einen hohen Stellenwert, und Teufl betont, wie wichtig es ist, bei der Auswahl von Lehrlingen und deren Erziehungsberechtigten genau hinzuschauen. Einvernehmliche Lösungen sind in Fällen von Problemen mit Lehrlingen durchaus möglich, auch wenn der Anteil an problematischen Fällen gering ist. Darüber hinaus informierte die Gründerberatung der WK Gänserndorf im letzten Jahr über 450 Kontakte, vor allem zur Klärung rechtlicher Fragen. Das persönliche Engagement der Wirtschaftskammer, unterstützt durch Vernetzungsveranstaltungen, zeigt, dass der Kontakt zu Unternehmern und zur örtlichen Behörde von großer Bedeutung ist, besonders in emotional aufgeladenen Situationen.
Herausforderungen durch den Fachkräftemangel
Trotz der positiven Entwicklungen bleibt der Fachkräftemangel ein zentrales Thema, das auch in Gänserndorf spürbar ist. Laut einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) könnte bis 2028 in Deutschland rund 770.000 Stellen nicht mit ausreichend qualifizierten Fachkräften besetzt werden. Die Fachkräftelücke wird voraussichtlich von 487.000 Stellen im Jahr 2024 auf 768.000 Stellen im Jahr 2028 wachsen. Der demografische Wandel, der viele Menschen in den Ruhestand gehen lässt, ist ein Hauptgrund für diesen Mangel. In Gänserndorf zeigt sich dies auch in der Eröffnung einer neuen McDonald’s-Filiale, die etwa 60 Arbeitsplätze schafft, trotz der Schwierigkeiten, geeignete Mitarbeiter zu finden.
Ein wichtiger Aspekt, den Teufl hervorhebt, ist die Notwendigkeit, den Stellenwert der Arbeit zu erhöhen, da Arbeit derzeit als wenig attraktiv angesehen wird. Dies wird zusätzlich durch die fehlenden Kita- und Pflegeplätze verstärkt, die dazu führen, dass Beschäftigte ihre Arbeitszeit nicht erhöhen können. Die größte Lücke besteht unter anderem bei Verkäufern, während auch in anderen Bereichen wie der Sozialarbeit, der Kindererziehung sowie der Gesundheits- und Krankenpflege erheblicher Bedarf an Fachkräften besteht.
Die Rolle der Weiterbildung und Integration
Um den Fachkräftemangel langfristig zu bekämpfen, ist Weiterbildung ein entscheidender Faktor. Das Fachkräftemonitoring des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) analysiert Arbeitsmarktströme von Angebot und Bedarf bis 2029. Dabei wird besonders Augenmerk auf ungenutzte Potenziale bei Frauen, Nicht-Deutschen und älteren Arbeitnehmern gelegt. Die Prognose identifiziert 41 Fokusberufe mit potenziellen Engpässen, in denen bis 2029 rund 530.000 Fachkräfte fehlen werden. Zudem wird empfohlen, die Berufsorientierung an Schulen auszubauen und Anreize für eine längere Erwerbstätigkeit zu schaffen.
Die stärkere Einbeziehung von Frauen und älteren Menschen in den Arbeitsmarkt wird als Schlüsselstrategie angesehen, um die Herausforderungen des demografischen Wandels zu meistern und die Lücken zu schließen. Der Anstieg der Erwerbsbeteiligung dieser Gruppen könnte langfristig positive Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Fachkräften haben. Die Digitalisierung und der Klimawandel beeinflussen ebenfalls die Kompetenzbedarfe und die Verfügbarkeit von Arbeitsplätzen, was die Anpassungsfähigkeit der Arbeitnehmer erfordert.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Entwicklungen in Gänserndorf sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich bringen. Die Wirtschaftskammer spielt eine zentrale Rolle bei der Unterstützung der Unternehmen und der Ausbildung junger Menschen. Es bleibt zu hoffen, dass durch gezielte Maßnahmen und eine positive Einstellung der Fachkräftemangel in den kommenden Jahren erfolgreich angegangen werden kann. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in den Artikeln von Kurier, Tagesschau und BMAS.