Die Steuersenkung auf Lebensmittel, die am 1. Juli 2023 in Kraft trat, bringt einige Veränderungen für Verbraucher. Die Mehrwertsteuer auf bestimmte Nahrungsmittel wurde von 10% auf 4,9% gesenkt. Laut einem Testeinkauf in der Region Bruck-Schwechat schlägt sich diese Senkung in einem Ersparnis von 1,01 Euro nieder. Hochgerechnet könnte das für den Durchschnittshaushalt über 100 Euro Einsparungen im Jahr bedeuten. Die Meinungen zur Steuerreduktion fallen jedoch unterschiedlich aus. So äußert sich Pensionistin Gertrude positiv: „Das würde ich schon merken! Aber ich gehe eher zum Diskonter.“ Bauarbeiter Leo hingegen bleibt skeptisch: „Abwarten. Wahrscheinlich fällt es nur bei Markenprodukten ins Gewicht.“ Wolfgang Brillmann, Geschäftsführer der soogut Sozialmärkte, sieht die Senkung als einen Schritt in die richtige Richtung und betont die Wichtigkeit erschwinglicher Lebensmittel.

Besonders in Sozialmärkten liegen die Preise bei einem Drittel der Preise in herkömmlichen Supermärkten. Auch die großen Einzelhändler reagieren auf die Senkung der Mehrwertsteuer. Hofer hat angekündigt, die Steuerreduktion im vollen Ausmaß weiterzugeben und nutzt dafür digitale Preisschilder, die Preisänderungen erleichtern. Nicole Berkmann, Unternehmenssprecherin von Spar Österreich, bestätigt ebenfalls, dass die Mehrwertsteuer-Senkung zur Gänze an die Kunden weitergegeben wird. Allerdings gilt die Senkung nur für einige Produkte. Eine weitere Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel ist für 2026 geplant, was möglicherweise zu weiteren Preisanpassungen führen könnte.

Politische Vorschläge und Kritiken

Auf politischer Ebene gibt es ebenfalls Bewegung in Bezug auf die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel. Bundeskanzler Olaf Scholz schlug vor, den Mehrwertsteuersatz auf Lebensmittel von 7% auf 5% zu senken. Dieser Vorschlag wurde in den ARD-Tagesthemen präsentiert und zielt darauf ab, Menschen mit geringem Einkommen zu unterstützen, ohne den Bundeshaushalt übermäßig zu belasten. Kritiker stellen jedoch die tatsächlichen Einsparungen für Verbraucher in Frage. Beispielsweise würde der Preis für 250 Gramm Butter von 2,39 Euro auf 2,35 Euro sinken – eine Ersparnis von nur 4 Cent. Ein Liter Milch würde von 1,05 Euro auf 1,03 Euro fallen, was bedeutet, dass man 100 Liter Milch konsumieren müsste, um 2 Euro im Monat zu sparen.

Einige Kritiker, wie Wolfgang Kubicki (FDP) und Sebastian Brehm (CSU), bezeichnen den Vorschlag als unzureichend und als Wahlkampftrick. Linken-Parteichefin Ines Schwerdtner fordert sogar eine Senkung der Mehrwertsteuer auf 0%. Laut Experten könnten durch die Senkung des Mehrwertsteuersatzes Einbußen für den Staat von rund 5 Milliarden Euro entstehen. Sebastian Dullien von der Hans-Böckler-Stiftung weist darauf hin, dass Menschen mit höheren Einkommen relativ stärker von solchen Steuersenkungen profitieren würden, während Tobias Hentze, Haushaltsexperte, erklärt, dass Gering- und Normalverdiener einen größeren Anteil ihres Einkommens für Lebensmittel ausgeben.

Einordnung und Ausblick

Die Diskussion um die Mehrwertsteuersenkung auf Lebensmittel zeigt deutlich, wie komplex das Thema der Preispolitik im Lebensmittelbereich ist. Während Verbraucher in der Region Bruck-Schwechat von der aktuellen Senkung profitieren können, bleibt abzuwarten, wie sich die politischen Vorschläge auf Bundesebene entwickeln und welche Auswirkungen sie auf die Haushalte haben werden. Die Frage, ob diese Maßnahmen tatsächlich zur Entlastung der Verbraucher führen, wird weiterhin kritisch hinterfragt. Die kommenden Monate und Jahre könnten entscheidend sein, um zu sehen, ob und wie sich die Preise anpassen und ob die versprochenen Einsparungen tatsächlich bei den Verbrauchern ankommen werden. Weitere Informationen und Hintergründe finden Sie in diesem Artikel und hier.