Am 22. Januar 2026 fand in der Spitzenfabrik St. Pölten der erste überregionale Branchentreff in Niederösterreich statt, bei dem rund 150 Winzer und Funktionäre zusammenkamen. Johannes Schmuckenschlager, Präsident des NÖ Weinbauverbands, eröffnete die Veranstaltung mit einer Begrüßungsrede, in der er auf die herausfordernden Rahmenbedingungen für die Weinbranche einging. Klaus Goldmann, Geschäftsführer von Wein Niederösterreich, stellte die Marketing-Aktivitäten und das Potenzial des deutschen Weinmarktes vor. Besonders hervorzuheben sind die aktuellen Trends im deutschen Weinmarkt:
- Eine Vorliebe für nicht ganz trockene Weine.
- Die zunehmende Bedeutung von Bio-Weinen, auch wenn diese selten entscheidend für den Kauf sind.
- Ein wachsender Markt für entalkoholisierte Produkte, der jedoch noch als Nische gilt.
- Etablierte Weinsorten wie Grüner Veltliner und Zweigelt, sowie Potenziale für Gelber Muskateller, Gemischter Satz und Rosé.
Diese Informationen stammen aus einem Bericht, den Sie unter der-winzer.at nachlesen können.
Ein weiteres zentrales Thema des Abends war der Klimawandel und die damit verbundenen Herausforderungen, die von Reinhard Zöchmann, dem Präsidenten des NÖ Weinbauverbands, angesprochen wurden. Besonders besorgniserregend ist das Auftreten der Amerikanischen Rebzikade in Grenznähe zu Tschechien und der Slowakei. Zudem erläuterte Stefan Kast vom Österreichischen Weinbauverband, dass das österreichische Weingesetz aufgrund neuer EU-Vorgaben angepasst werden muss. Eine geplante Gesetzesnovelle soll im Sommer 2026 starten und die Erzeugervereinigungen sollen die Regionalen Weinkomitees ablösen. Das Ziel dieser rechtlichen Änderungen ist es, Herkunft und Qualität im österreichischen Weinbau klar zu definieren.
Neue Herausforderungen und Maßnahmen auf EU-Ebene
Die EU-Kommission hat ebenfalls Schritte zur Unterstützung des europäischen Weinsektors vorgeschlagen, um mehr Flexibilität und Anpassungsfähigkeit zu gewährleisten. Landwirtschaftskommissar Christophe Hansen betont die Bedeutung des Weinsektors für die EU, die als führender Produzent und Exporteur auftritt. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sollen den Markt stabilisieren und Erzeugern helfen, neue Chancen zu nutzen. Dazu gehören unter anderem
- Mehr Flexibilität bei der Anpflanzung.
- Vermeidung von Überschüssen.
- Klare Vermarktungsregeln.
- Unterstützung für Klimaresilienz.
Diese Vorschläge sind besonders relevant angesichts der Herausforderungen, die der Weinsektor durch veränderte Verbrauchstrends und den Klimawandel zu bewältigen hat. Weitere Details finden Sie unter europa.eu.
Rückläufiger Weinkonsum in Deutschland
Die Situation ist auch für den deutschen Weinsektor nicht einfach. Der Deutsche Weinbauverband (DWV) hat die Weinkonsumbilanz für das Weinwirtschaftsjahr 2023/2024 veröffentlicht. Der Inlandsabsatz von Still- und Schaumwein ist um 1,4 % gesunken, was in einem Gesamtabsatz von 18,6 Millionen Hektolitern resultiert. Besonders auffällig ist der Rückgang beim inländischen Stillwein, der um 22,3 Millionen Liter gesenkt wurde. Dies steht im Einklang mit den demografischen Veränderungen und dem veränderten Konsumverhalten junger Generationen, die weniger Wein trinken. Die Gründe sind vielfältig: Inflation, geopolitische Krisen und ein wachsendes Bewusstsein für gesundheitliche Aspekte tragen zur kritischen Betrachtung von Wein bei. Mehr Informationen hierzu finden Sie unter deutscher-weinbauverband.de.
Der Abend in St. Pölten endete mit einem persönlichen Austausch und der Verkostung prämierten Sekten und Siegerweinen der NÖ Landesweinprämierung. Diese Veranstaltungen sind wichtig, um den Dialog innerhalb der Branche aufrechtzuerhalten und neue Perspektiven zu entwickeln – gerade in Zeiten, in denen der Weinmarkt vor so vielen Herausforderungen steht.