Die aktuellen Ausstellungen in den Kunstmuseen dieser Welt sind oft eine wahre Schatztruhe für Kunstliebhaber und solche, die es werden wollen. Eine besonders beeindruckende Schau findet derzeit im Frieder Burda Museum in Baden-Baden statt. Hier wird der Fotorealismus in seiner ganzen Pracht zelebriert. Die Ausstellung mit dem Titel „Wettstreit mit der Wirklichkeit – 60 Jahre Fotorealismus“ läuft bis zum 2. August 2026 und bietet den Besuchern die Möglichkeit, in die faszinierende Welt dieser Kunstform einzutauchen.

Im Zentrum der Ausstellung steht ein Portrait des berühmten Komponisten Philip Glass, geschaffen von Chuck Close im Jahr 1969. Close gilt als Mitbegründer des Fotorealismus und hat mit seinen einzigartigen Techniken die Grenzen zwischen Fotografie und Malerei neu definiert. Der Fotorealismus ist stark von der US-amerikanischen Kultur geprägt und zeigt sich in einer Vielzahl von Alltagsmotiven, die in der Ausstellung zu sehen sind. Darunter finden sich beeindruckende Werke wie die chromglänzende Harley Davidson von David Parish, ein Rennwagen von Ron Kleemann und Straßenkreuzer in Einfamilienhaus-Idyllen von Ralph Goings. Auch Don Eddys Werk „Private Parking III“ aus dem Jahr 1971, das Autos als beliebtes Motiv zeigt, ist Teil der Schau. John Salt hingegen malt Autowracks und übt damit Kritik am American Way of Life.

Chuck Close: Ein Meister des Fotorealismus

Chuck Close, geboren am 5. Juli 1940 in Monroe, Washington, und verstorben am 19. August 2021 in Oceanside, New York, war einer der bekanntesten Fotorealisten in den USA. Er verbrachte den Großteil seines Lebens mit dem Malen und unterrichtete auch. Close war bekannt dafür, dass er nicht direkt von der Natur malte, sondern sich an Fotos orientierte, die er mithilfe eines Rastersystems auf die Leinwand übertrug. Diese Technik, die man als analoge Pixeltechnik beschreiben könnte, verlieh seinen Arbeiten eine beeindruckende Plastizität. Trotz einer Querschnittlähmung, die er sich 1988 zuzog, malte er weiter – seine Schienen stabilisierten seine Handgelenke und ermöglichten ihm, seine Kunst zu schaffen.

In den letzten Jahren seines Lebens litt Close an Demenz, was zu einem Verlust der Impulskontrolle führte. Vorwürfe wegen sexueller Belästigung, die 2017/18 gegen ihn erhoben wurden, sorgten für Kontroversen und führten zur Absage einer für 2018 geplanten Retrospektive in Washington. Dennoch bleibt sein künstlerisches Erbe unbestritten. Zu seinen bedeutendsten Ausstellungen zählen Retrospektiven im Museum of Modern Art in New York und im Museo Reina Sofía in Madrid.

Ein Blick in die Zukunft des Fotorealismus

Die Ausstellung im Frieder Burda Museum thematisiert nicht nur die Werke von Chuck Close, sondern auch den Wettstreit der Künste um Perfektion und Illusion. Neuere Werke von Künstlern wie Raphaella Spence mit ihren New Yorker Stadtansichten und Johannes Müller-Franken mit surreale Szenen zeigen, dass der Fotorealismus auch in der heutigen Zeit relevant bleibt. Digitale Fotografie und Bildbearbeitung haben zwar Einfluss auf die Kunstwelt genommen, jedoch nie als ernsthafte Konkurrenz zum Fotorealismus fungiert.

Die Ausstellung ist ein Muss für alle Kunstinteressierten und bietet einen tiefen Einblick in die Entwicklung und den Einfluss des Fotorealismus über die letzten sechs Jahrzehnte. Der Besuch des Frieder Burda Museums in der Lichtentaler Allee 8b in Baden-Baden lohnt sich allemal, um diese faszinierende Kunstrichtung zu erleben und die Werke von Chuck Close und anderen großen Künstlern zu bewundern. Weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie auch auf der Webseite des SWR.