Die Villa Beer in Wien-Hietzing ist ein architektonisches Juwel, das ab März 2026 erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird. Nach intensiver Forschung und Restaurierung öffnet das Gebäude, das 1929 von den renommierten Architekten Josef Frank und Oskar Wlach für die Familie Beer entworfen wurde, seine Türen für Besucher. Diese Villa gilt als Schlüsselwerk der österreichischen Moderne und wird international mit Ikonen wie der Villa Tugendhat und der Villa Savoye verglichen. Die Restaurierung, geleitet von Lothar Trierenberg und Architekt Christian Prasser, wurde durch Experten, Handwerksbetriebe und das Bundesdenkmalamt unterstützt (Source 1).
Die Geschichte der Villa Beer reicht bis zu Julius und Margarethe Beer zurück, die das Anwesen 1929 erwarben und dem liberalen Judentum angehörten. Die Architektur der Villa spiegelt den gesellschaftlichen Rang und das Kulturverständnis der Bauherren wider. Josef Frank, als bedeutendster Vertreter der Architekten-Generation nach Adolf Loos und Josef Hoffmann, schuf mit dieser Villa ein Meisterwerk, das die Frage „Was ist modern?“ auf eine einzigartige Weise beantwortet. Diese Fragestellung stellte Frank bereits 1930 bei der Wiener Werkbund-Tagung und realisierte wenige Monate später die Villa Beer als architektonische Antwort darauf (Source 2).
Die Restaurierung und ihre Ziele
Das Ziel der Restaurierung war es, das Gebäude vor dem Verfall zu bewahren und seinen einzigartigen Charakter wieder sichtbar zu machen. Hierbei wurde die ursprüngliche Raumabfolge wiederhergestellt und nachträglich eingefügte Elemente entfernt. Das Gebäude erhielt ein neues Fundament und wurde umfassend saniert, um den Anforderungen eines Museumsbetriebs gerecht zu werden. Zudem wurde die historische Verrohrung der Elektroleitungen durch moderne Niedervolttechnik weiterverwendet. Die Innenausstattung, ursprünglich von Frank und Wlach entworfen, hat leider den Großteil ihrer originalen Möbel verloren (Source 1).
Der Garten der Villa wurde von der Landschaftsarchitektur-Firma Auböck + Kárász gestaltet, wobei der vorhandene Baumbestand erhalten blieb. Die Villa Beer wird künftig als ein Ort für Kultur, Forschung und Bildung genutzt, mit einem vielfältigen Führungsangebot, das Themen zur Architektur sowie das Schicksal der jüdischen Bauherrenfamilie umfasst.
Ein Meisterwerk der Moderne
Die Villa Beer gilt als Ikone der österreichischen Moderne und als bedeutendstes Werk von Josef Frank und Oskar Wlach. Der Entwurf greift den Raumplan von Adolf Loos auf, interpretiert ihn jedoch freier und wohnlicher. Unterschiedlich hohe Räume schaffen eine vielschichtige Raumlandschaft, die von Bewegung und Blickbeziehungen geprägt ist. Im Zentrum des Hauses befindet sich die Treppe, die Orientierung schafft und den Alltag inszeniert. Die Architektur folgt einer inneren Logik, die sich auch in der asymmetrischen und reich proportionierten Fassade widerspiegelt. Dadurch wird die komplexe Raumstruktur des Inneren deutlich (Source 2).
Josef Frank selbst war ein bedeutender Architekt, der am 15. Juli 1885 geboren wurde und bis zu seinem Tod am 8. Januar 1967 einen prägenden Einfluss auf die Architektur hatte. Er war Mitbegründer der Wiener Schule der Architektur und entwickelte ein eigenes Konzept der Moderne für Häuser, Wohnungen und Inneneinrichtungen. Seine Werke sind nicht nur in Österreich, sondern auch in Schweden und darüber hinaus bekannt. Frank emigrierte 1933 nach Schweden und erhielt 1939 die schwedische Staatsbürgerschaft. In den letzten Jahrzehnten seines Lebens entwarf er zahlreiche Möbel und Inneneinrichtungen, die bis heute geschätzt werden (Source 3).