Am Donnerstag fand ein bemerkenswerter Besuch in Bad Eisenkappel, Kärnten, statt: Die slowenische Staatspräsidentin Nataša Pirc Musar kam in die Region, um auf die Sorgen der Kärntner Slowenen aufmerksam zu machen. Bei ihrem Besuch forderte sie eine Entschuldigung von der österreichischen Regierung und ein Ende der Untätigkeit in Bezug auf die Kärntner Slowenenfrage. Dies hat bereits zu scharfer Kritik geführt, insbesondere von Hans Christian Steinacher, einem FPÖ-Gemeinderat aus Völkermarkt. Auf Facebook äußerte er sich zu dem Besuch und stellte fest, dass der Kärntner Landeshauptmann der slowenischen Präsidentin nur zwei Sätze sagen sollte: „Der Einsatz der österreichischen Polizei gegen die ANTIFA gehe sie nichts an“ und „Danke für den Besuch und auf Nimmerwiedersehen“ (MeinBezirk).
Der Besuch von Präsidentin Pirc Musar beinhaltete auch einen Stopp am Peršmanhof, einem symbolträchtigen Ort für die Kärntner Slowenen. Hierbei wurde die Kritik an der österreichischen Regierung erneut laut, da diese in den vergangenen Jahren als untätig in Bezug auf die Anliegen der slowenischen Volksgruppe wahrgenommen wird. Der Polizeieinsatz während ihres Besuchs verursachte Kosten von rund 15.000 Euro, was die Debatte über den Umgang mit dieser ethnischen Minderheit weiter anheizte (Kleine Zeitung).
Der historische Kontext der Kärntner Slowenen
Die Kärntner Slowenen (slowenisch: Koroški Slovenci) sind eine autochthone slowenischsprachige Volksgruppe in Kärnten, die als österreichische Staatsbürger meist im Volksgruppenbeirat vertreten ist. Ihr Status ist verfassungs- und völkerrechtlich abgesichert, doch die Geschichte zeigt, dass dieser Status oft unter Druck stand. Die Wurzeln dieser Gruppe reichen bis in die Zeit der Völkerwanderung zurück, als das Gebiet von West- und Südslawen besiedelt wurde, und Karantanien, ein slawisches Staatsgebilde, entstand (Wikipedia).
Im Hochmittelalter existierten in der Region parallele Rechtssysteme, die jedoch mit der Zeit durch den Einfluss deutscher Adelsgeschlechter zurückgedrängt wurden. Die deutschsprachige Dominanz führte zu einer deutlichen Sprachgrenze, die bis ins 19. Jahrhundert bestehen blieb. Klagenfurt entwickelte sich zum slowenischen Kulturzentrum, was die kulturelle Identität der Kärntner Slowenen stärkte, aber auch zu Spannungen mit der deutschsprachigen Mehrheitsbevölkerung führte.
Politische Entwicklungen und Herausforderungen
Nach dem Ersten Weltkrieg gab es Bestrebungen, slowenischsprachige Gebiete zu besetzen. In der Abstimmungszone, in der etwa 70% der Bevölkerung slowenisch sprach, stimmten 59% für den Verbleib bei Österreich. Dennoch erlebte die slowenische Volksgruppe bis 1938 eine Verschlechterung ihrer Minderheitenrechte, die mit der nationalsozialistischen Verfolgung gipfelte. Die Deportation der Kärntner Slowenen begann 1942 und führte zu einem tiefen Einschnitt in die Geschichte dieser Volksgruppe.
Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb die Stimmung zwischen den Volksgruppen angespannt. Der Österreichische Staatsvertrag von 1955 regelte zwar die Rechte der slowenischen und kroatischen Minderheiten, jedoch wurde der politische Einfluss der slowenischsprachigen Volksgruppe in den folgenden Jahrzehnten reduziert. Der Ortstafelstreit in den 1970er Jahren verdeutlichte die bestehenden Spannungen, die sich jedoch später wieder etwas entspannten.
Die Unabhängigkeit Sloweniens 1991 brachte neue Herausforderungen, aber auch Chancen für die Kärntner Slowenen. Dennoch wird die Diskriminierung der slowenischen Sprache in der neuen Landesverfassung Kärntens weiterhin kritisiert. Volkszählungen zeigen einen alarmierenden Rückgang der slowenischsprachigen Bevölkerung, was die Dringlichkeit der Anliegen, die Präsidentin Pirc Musar bei ihrem Besuch vorbrachte, unterstreicht.