Am 10. März 2026 wurde in Villach der neue Frauenbericht präsentiert, ein Dokument, das alle fünf Jahre erstellt wird, um die Lebensrealität von Frauen sichtbar zu machen und Handlungsbedarf in der Gleichstellung aufzuzeigen. Frauenreferentin und Vizebürgermeisterin Gerda Sandriesser hob hervor, dass der Bericht als Werkzeug zur Erkennung struktureller Hürden dient. Er wurde in Zusammenarbeit mit dem Frauenbüro der Stadt und der FH Kärnten erstellt und enthält umfangreiche Daten zu verschiedenen Lebenslagen von Frauen.
In Villach stellen Frauen 51,8 Prozent der Bevölkerung dar, und der Bericht reflektiert den hohen Anteil an Alleinerzieherinnen in der Stadt. Besonders bemerkenswert ist, dass 87,1 Prozent der Haushalte mit nur einem Erwachsenen und Kind von Müttern ohne Partner geführt werden. Die Politikwissenschafterin Kathrin Stainer-Hämmerle betonte, dass der Bericht den Stellenwert von Frauen in der Gesellschaft widerspiegelt und die Vielfältigkeit ihrer Lebensrealitäten aufzeigt.
Wichtige Themen des Berichts
Der Frauenbericht ist in sechs Kapitel unterteilt: Soziodemografische Strukturen, Bildung und Kinderbetreuung, Sozioökonomische Lage, Gesundheit und Wohlbefinden, Repräsentation und Partizipation sowie Gewalt an Frauen, das als Schwerpunkt-Thema behandelt wird. Sandriesser betont die Notwendigkeit des Berichts zur Identifikation von Handlungsbedarf und zur Dokumentation von Erfolgen in der Gleichstellungspolitik. Besonders relevant ist das Kapitel über Gewalt an Frauen, gerade im Hinblick auf die bevorstehenden „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“.
Das Bildungsniveau von Frauen ist in den letzten Jahrzehnten gestiegen, und immer mehr Frauen streben Selbstständigkeit an. Elektrotechnik ist der zweitbeliebteste Lehrberuf bei Mädchen in Villach. Dennoch bleibt die Teilzeitarbeit überwiegend ein Frauenthema, was sich negativ auf die Höhe der Pensionen auswirkt. Die Erwerbstätigenquote von Frauen ist in den letzten zehn Jahren gestiegen, jedoch weniger stark als im Österreichschnitt. Der Frauenanteil bei Unternehmensgründungen lag 2024 bei rund 46 Prozent.
Politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen
Der Bericht verdeutlicht, dass die Gleichstellung von Frauen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft noch nicht erreicht ist. Die Stadt hat in den letzten Jahren stark in die Kinderbetreuung investiert, mit dem Ziel, bis 2027 insgesamt 500 neue Betreuungsplätze zu schaffen. Diese Fortschritte sind wichtig, um die Lebenssituation von Frauen weiter zu verbessern und strukturelle Benachteiligungen abzubauen.
In Deutschland wird in jeder Legislaturperiode über den Stand der Gleichstellung von Frauen und Männern berichtet, was für die Entwicklung einer geschlechtergerechten Politik von Bedeutung ist. Gleichstellungsberichte dienen als Leitbild und Impulsgeber für politische Maßnahmen. Die Bundesregierung hat die Notwendigkeit erkannt, eine konsistente Gleichstellungspolitik zu fördern, die eng mit anderen Politikbereichen zusammenarbeitet. Die Ergebnisse solcher Berichte tragen zur Umsetzung von Gender Mainstreaming bei und sollen helfen, die Gleichstellung in verschiedenen Bereichen voranzubringen, wie auch im Villacher Frauenbericht thematisiert wird.
Der gesamte Frauenbericht für Villach ist online abrufbar und bietet eine wertvolle Informationsquelle zur Lebenssituation von Frauen in der Stadt. Leser können den Bericht hier einsehen: Frauenbericht der Stadt Villach.
Für weitere Informationen zur Gleichstellung in Deutschland können Interessierte auf den Gleichstellungsbericht der Bundesregierung zugreifen: Gleichstellungsberichte der Bundesregierung.





