In den sanften Hügeln von Kärnten lebt eine bemerkenswerte Kuh namens Veronika, die das Bild von Rindern als weniger intelligent radikal auf den Kopf stellt. Veronika, eine 13-jährige Kuh aus Vorarlberg, hat sich als wahre Intelligenzbestie entpuppt. Sie nutzt geschickt einen Schrubberbesen, um schwer erreichbare Körperstellen zu kratzen, und demonstriert damit einen flexiblen Werkzeuggebrauch, der bisher nur bei Schimpansen dokumentiert wurde. Ihr Verhalten wurde von den Kognitionsforschern Alice Auersperg von der Veterinärmedizinischen Universität Wien und Antonio J. Osuna-Mascaró umfassend untersucht. In sieben Sitzungen wurden 76 gezielte Werkzeughandlungen dokumentiert, wobei Veronika je nach Körperregion entweder die Borsten oder das glatte Stielende des Besens wählte, um sich zu kratzen. Diese erstaunliche Fähigkeit eröffnet neue Perspektiven auf die Intelligenz von Kühen und könnte weitreichende Implikationen für den ethischen Umgang mit Nutztieren haben. [1]
Veronika hat ihren Werkzeuggebrauch bereits im Alter von etwa vier Jahren begonnen und im Laufe der Zeit immer weiter perfektioniert. Ihr Besitzer beobachtete, wie sie Stöcke und Bürsten aufnahm, um sich zu kratzen. Die Forschung zu Veronika zeigt, dass sie das Borstenende für breitere Körperbereiche und das glatte Stielende für empfindliche Regionen wie das Euter verwendet. Dies deutet auf eine durchdachte Mehrzwecknutzung des Werkzeugs hin und belegt, dass Kühe ein gut entwickeltes Gehirn besitzen. Alice Auersperg hebt hervor, dass die bisherigen Studien zur Tierintelligenz, insbesondere bei Nutztieren, begrenzt sind und mehr Offenheit für deren Intelligenz gefordert wird. [2]
Eine besondere Lebensweise
Veronika lebt nicht in einem klassischen Milchbetrieb, sondern als Haustier auf einem Hof, was ihr einen offenen Zugang zu Hof und Weide ermöglicht. Diese Lebensumstände, zusammen mit ihrer älteren Erfahrung und der Verfügbarkeit beweglicher Gegenstände, könnten ihre kognitiven Fähigkeiten gefördert haben. Jan Langbein vom Forschungsinstitut Dummerstorf bezeichnet Veronikas Verhalten als bemerkenswert, warnt jedoch vor einer Überinterpretation. Er betont, dass einige Verhaltensweisen auch durch individuelles Lernen und Erfahrung erklärt werden können. Dennoch erweitern Beobachtungen wie die von Veronika den Blick auf das tierische Verhalten und die Intelligenz von Rindern. [3]
Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Veronika werfen neue Fragen auf und ermutigen dazu, ähnliche Verhaltensweisen bei anderen Nutztieren zu beobachten. Die Ergebnisse ihrer Studie sind nicht nur für die Wissenschaft von Bedeutung, sondern könnten auch den ethischen Umgang mit Nutztieren beeinflussen. Kühe, die oft als weniger intelligent angesehen werden, zeigen in Wirklichkeit komplexe emotionale und kognitive Fähigkeiten, die es wert sind, erforscht zu werden. Veronikas Fall ist ein erster Schritt hin zu einem besseren Verständnis der Intelligenz von Rindern und könnte dazu beitragen, ihre Lebensbedingungen zu verbessern.