In der heutigen Zeit sind viele ältere Menschen mit dem Problem der Polypharmazie konfrontiert, also der Einnahme von fünf oder mehr Arzneimitteln gleichzeitig. Dies kann schnell zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen führen, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich mindern können. Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit an der Glan hat sich dieser Herausforderung angenommen und ein pharmazeutisches Konsil zur Medikationsanalyse eingeführt. In enger Zusammenarbeit mit der Anstaltsapotheke des Elisabethinen-Krankenhauses Klagenfurt wird hier gezielt auf die Bedürfnisse älterer Patienten eingegangen, die häufig mehrere Medikamente einnehmen.
Die Zielgruppe sind vor allem ältere Patienten mit Herzinsuffizienz, die oft auf eine Vielzahl von Arzneimitteln angewiesen sind. Das Risiko für Nebenwirkungen und Wechselwirkungen steigt mit jeder zusätzlichen Medikation. Durch die Überprüfung der Medikationspläne wird die Notwendigkeit, Dosierung und mögliche Wechselwirkungen analysiert, um unnötige oder riskante Arzneimittel zu identifizieren und die Therapie entsprechend anzupassen. Ein zentrales Anliegen ist die Sicherstellung der korrekten und sicheren Einnahme von Medikamenten nach dem Krankenhausaufenthalt. Hierbei werden die Patienten aktiv in den Prozess einbezogen, um die Therapietreue zu erhöhen. Das Projekt verfolgt das Ziel des „Closed Loop Medication Management“, welches eine kontinuierliche Überprüfung der Medikation ermöglicht (Quelle).
Die Rolle der interprofessionellen Zusammenarbeit
Bei der Medikationsanalyse arbeiten Ärzt:innen und Pharmazeut:innen eng zusammen. Diese interprofessionelle Kooperation ist nicht nur im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder von Bedeutung, sondern auch im Luisenhospital, wo Dr. Elisa Zimmer als Stationsapothekerin tätig ist. Ihre Spezialisierung im Medikationsmanagement und langjährige Erfahrung ermöglichen es, Medikationsanalysen bei komplexen pharmazeutischen Fragestellungen durchzuführen. Hierbei wird darauf geachtet, die negativen Auswirkungen der Arzneimitteltherapie zu minimieren, ohne die positiven Effekte zu beeinträchtigen (Quelle).
Die Überprüfung der Arzneimitteltherapie umfasst nicht nur die Dosierung und Wechselwirkungen, sondern auch Kontraindikationen in Bezug auf bestehende Erkrankungen sowie Vital- und Laborwerte. Apotheker:innen sind Teil eines interprofessionellen Teams auf der Intensivstation und tragen dazu bei, dass alle Klinikbereiche von einer strukturierten Medikationsanalyse profitieren. Diese Analysen ermöglichen es, arzneimittelbezogene Probleme frühzeitig zu erkennen und zu beheben, was für die Sicherheit der Patienten von größter Bedeutung ist.
Pharmazeutische Betreuung in der Intensivmedizin
Das Thema der pharmazeutischen Betreuung gewinnt zunehmend an Bedeutung, insbesondere im Kontext der Intensivmedizin. Kritisch kranke Patienten sind besonders anfällig für unerwünschte Arzneimittelereignisse. Internationale Studien zeigen, dass die pharmazeutische Betreuung die Arzneimitteltherapiesicherheit verbessert. In Deutschland wird daher die Integration von Apothekern in multidisziplinäre Teams gefordert, um die Versorgungssicherheit zu erhöhen. Eine aktuelle Umfrage hat ergeben, dass nur 35,3% der Intensivstationen regelmäßige pharmazeutische Betreuung etabliert haben, was den Bedarf an strukturierter Weiterbildung für Apotheker im intensivmedizinischen Bereich verdeutlicht (Quelle).
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die pharmazeutische Konsultation und die interprofessionelle Zusammenarbeit zwischen Ärzt:innen und Apotheker:innen entscheidend sind, um die Arzneimitteltherapiesicherheit bei älteren Patienten zu gewährleisten. Durch innovative Projekte und enge Kooperationen wird ein wesentlicher Beitrag zur Verbesserung der medizinischen Versorgung geleistet, und das nicht nur in St. Veit an der Glan, sondern auch darüber hinaus.