In St. Veit an der Glan wird die Geschichte des Widerstands gegen den Nationalsozialismus durch das neue Buch von Autor Philipp Novak, „Buttinger – Links das Herz, rechts der Tod“, lebendig gehalten. Das Werk, das nach über fünf Jahren intensiver Recherche entstanden ist, hat das Ziel, Persönlichkeiten dieser dunklen Zeit „dem Vergessen zu entreißen“. Novak beleuchtet sowohl die Geschichten von Opfern als auch von Tätern, wobei der Widerstandskämpfer Joseph Buttinger, der mehr als 3.000 Menschenleben rettete, im Mittelpunkt steht. Gemeinsam mit seiner Frau Muriel Gardiner engagierte sich Buttinger aktiv im Widerstand.

Doch Buttinger ist nicht der einzige Held, den Novak porträtiert. Auch Ferdinand Frodl und Franz Bernthaler, die beide mutig gegen das NS-Regime auftraten, finden in dem Buch Erwähnung. Bernthaler, ein Volksschullehrer und überzeugter NS-Gegner, wurde nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verhaftet und schließlich am 15. April 1945 im Gefängnis Stein an der Donau erschossen. Frodl, der als Geistlicher in St. Georgen am Längsee wirkte, kam ebenfalls in Konflikt mit dem Regime und wurde wegen seiner Betätigung für eine geheimnisvolle Organisation verhaftet, bevor er nach dem Krieg befreit wurde.

Joseph Buttinger: Ein Leben im Widerstand

Joseph Buttinger, geboren 1906, war der letzte Parteiobmann der österreichischen Sozialdemokratie vor dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich. Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen, engagierte er sich früh in der sozialistischen Bewegung und war von 1926 bis 1934 als Funktionär der Kinderfreunde sowie sozialistischer Bezirksparteisekretär in St. Veit tätig. In dieser Zeit lernte er viele der späteren Opfer und Täter der nationalsozialistischen Bewegung kennen.

Nach dem Verbot der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP) im Jahr 1934 zog Buttinger nach Wien, wo er im Untergrund arbeitete. Dort traf er seine spätere Frau, die Amerikanerin Muriel Gardiner, mit deren Hilfe er über 1.000 Juden und politisch Verfolgte rettete. Buttinger engagierte sich auch für die Evakuierung von NS-Widerstandskämpfern in die USA und übernahm während des Zweiten Weltkriegs die Leitung des Emergency Rescue Committee. In der Nachkriegszeit wurde er als Vietnam-Experte bekannt und baute bedeutende sozialpolitische Bibliotheken auf, die heute an den Universitäten in Klagenfurt und Harvard zugänglich sind. Er gilt heute als „Hidden Hero“.

Familienforschung und historische Aufarbeitung

Eine interessante Facette der Aufarbeitung dieser Geschichte ist die Möglichkeit, dass Familienforscher im Stadtmuseum St. Veit zwei Listen einsehen können, die für sie von großem Interesse sein könnten. Diese Listen beinhalten die Namen politisch Verfolgter, die ab 1946 Rechtsansprüche geltend gemacht haben, sowie eine Aufstellung ehemaliger KZ-Insassen. Interessierte müssen lediglich die Namen und Adressen ihrer betroffenen Verwandten vorlegen, um Zugang zu diesen wichtigen Dokumenten zu erhalten.

Novaks Buch leistet nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur, sondern hilft auch, die Schicksale von Menschen, die unter dem NS-Regime litten, in das Bewusstsein der heutigen Gesellschaft zu bringen. So konnte Novak einer Familie Gewissheit über den Tod eines Vorfahren verschaffen, der Epileptiker war, und ein Gerücht über einen Mord im Gaukrankenhaus Klagenfurt wurde durch Experten wie Mediziner Herwig Oberlerchner und Historiker Helge Stromberger bestätigt.

Die Auseinandersetzung mit dieser dunklen Vergangenheit ist nicht nur für die Historie wichtig, sondern auch für die gegenwärtige Gesellschaft. Sie erinnert uns daran, wie entscheidend es ist, für die Werte der Freiheit und Menschenwürde einzutreten und sich gegen jede Form von Unterdrückung und Unrecht zu wehren. Für weitere Informationen zu Joseph Buttingers Lebenswerk und der Widerstandsgeschichte in St. Veit an der Glan, können Sie die Kleine Zeitung und den Verlag Heyn besuchen.