Am 1. Juli wird im Land Kärnten eine umfassende Strukturreform in der Verwaltung in Kraft treten. Diese Reform, die von Landeshauptmann Daniel Fellner (SPÖ) und Landeshauptmann-Stellvertreter Martin Gruber (ÖVP) präsentiert wurde, hat das Ziel, bis 2031 insgesamt 300 Planstellen einzusparen. Die damit verbundenen jährlichen Kosten belaufen sich auf rund 125 Millionen Euro. Durch ruhende Pensionierungen sollen die Einsparungen realisiert werden, ohne dass Mitarbeiter um ihre Jobs fürchten müssen. Die aktuellen 15 Abteilungen der Landesverwaltung werden auf zehn reduziert, um die Serviceorientiertheit für die Bürger zu erhöhen und die Effizienz zu steigern.
Die neue Abteilungsstruktur umfasst folgende Bereiche:
- Abteilung 1: Gemeinwohl, Wohnen, Innovation, Sport
- Abteilung 2: Finanzen und Landesimmobilien
- Abteilung 3: Sicherheit und Gemeinden (inkl. Integration)
- Abteilung 4: Kunst, Kultur und Gesellschaft
- Abteilung 5: Gesundheit und Pflege
- Abteilung 6: Bildung und Kinderschutz
- Abteilung 7: Wirtschaftsstandort
- Abteilung 8: Umwelt- und Naturschutz
- Abteilung 9: Straßen und Brücken
- Abteilung 10: Landes- und Forstwirtschaft sowie ländlicher Raum
Hintergrund der Reform
Die Reform wird von der Reformgruppe „Arbeitsstruktur“ unterstützt und zielt darauf ab, die Verwaltung nicht nur zu straffen, sondern auch zukunftsfähig zu gestalten. Ein Beispiel für die Neustrukturierung ist die Zusammenlegung von Dienstleistungen im Bereich Sicherheit und Gemeinden, die unter anderem Katastrophenschutz, Hochwasserschutz, Strahlenschutz, Wasserwirtschaft sowie Integration abdecken wird. Abteilungen 12 und 13 fallen weg, während Abteilung 15 bereits in die Abteilung 7 integriert wurde. Die Aufgaben der aufgelösten Abteilung 4 werden auf die neuen Abteilungen 6 und 11 verteilt.
Durch diese Maßnahmen erhofft sich die Landesregierung eine jährliche Einsparung von rund 25 Millionen Euro. Bereits im Vorjahr wurden 777.000 Euro durch eine Nichtausnutzung der Höchstgrenze an Mitarbeitern eingespart. Zukünftig sollen alle Anträge im Förderwesen stichprobenartig kontrolliert werden, um weitere Einsparungspotenziale zu identifizieren. Auch die Überprüfung von Landesgesellschaften und Bezirkshauptmannschaften wird bis zum Sommer und Hochherbst vorangetrieben.
Kritik und Reaktionen
Die Reform stößt allerdings auch auf Kritik. Oppositionsführer Erwin Angerer von der FPÖ bezeichnet die Maßnahmen als eine späte Korrektur alter Fehler. Grünen-Sprecherin Olga Voglauer fordert, dass die Verwaltung am Ende reibungslos funktionieren muss. Team Kärnten-Chef Gerhard Köfer sieht die Reduktion der Abteilungen als bloße Augenauswischerei an. Landeshauptmann Fellner versichert hingegen, dass niemand seinen Job verlieren wird und dass die Reform dazu dient, die Verwaltung effizienter und bürgernäher zu gestalten.
Die geplanten Maßnahmen in Kärnten reißen auch einen größeren Trend auf, den man in vielen europäischen Ländern beobachten kann. Angesichts der Herausforderungen, vor denen Staaten stehen, wie etwa der Digitalisierung und der Notwendigkeit zur Bürokratieabbau, hat auch Deutschland eine Modernisierungsagenda beschlossen. Diese Agenda zielt darauf ab, den Bund effizienter und zukunftssicher zu gestalten, mit einem klaren Fokus auf die digitale Transformation und eine spürbare Reduzierung von Bürokratie für Unternehmen und Bürger. Es bleibt abzuwarten, wie die Reformen in Kärnten und anderswo tatsächlich umgesetzt werden und welche Auswirkungen sie auf die Verwaltung und die Bürger haben werden.
Für weitere Informationen zu den Veränderungen in Kärnten, besuchen Sie bitte die Krone oder die 5 Minuten.