In der Landwirtschaft sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert, insbesondere in einer Branche, die traditionell von Männern dominiert wird. Dieses Ungleichgewicht wird in den kommenden Jahren verstärkt ins Licht gerückt, da die Vereinten Nationen 2026 zum „Internationalen Jahr der Bäuerin“ erklärt haben. Ziel ist es, die Rolle von über 18.000 Kärntner Bäuerinnen in der Landwirtschaft hervorzuheben und ihren Beitrag zur ländlichen Entwicklung zu würdigen. Ein Beispiel für eine engagierte Bäuerin ist Silvia Writzl, die mit ihren drei Kindern den Milchviehbetrieb ihres Mannes bewirtschaftet, während dieser Vollzeit für die Feldarbeit zuständig ist. Writzl übernimmt die Aufgaben im Haushalt und Stall und hebt hervor, wie wichtig Organisation und Unterstützung der Kinder für den effizienten Betrieb sind. Zudem erkennt sie die Herausforderungen, die saisonal bedingt sind, und sieht Chancen zur Einteilung der Arbeit.
Vorurteile gegenüber Frauen in der Landwirtschaft, insbesondere beim Umgang mit körperlich anspruchsvollen Arbeiten, sind nach wie vor vorhanden. Doch Writzl glaubt fest daran, dass diese in den letzten Jahrzehnten abgebaut wurden. Sie betont, dass die heimische Landwirtschaft stark von Frauen geprägt ist und deren Mitarbeit entscheidend für den Erfolg der Betriebe ist. Writzl ermutigt junge Frauen, sich nicht entmutigen zu lassen und aus Fehlern zu lernen, was einen wichtigen Schritt in Richtung Gleichstellung darstellt.
Die Rolle der Frauen in der Landwirtschaft
Die Bedeutung der Frauen in der Landwirtschaft wird von verschiedenen Organisationen und Studien untermauert. Laut einer aktuellen „Landfrauenstudie“ sind 72 Prozent der befragten Frauen an strategischen und unternehmerischen Entscheidungen beteiligt. Allerdings werden in Deutschland rund 90 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe von Männern geleitet, und der Anteil der Hofnachfolgerinnen liegt lediglich bei 18 Prozent. Diese Zahlen zeigen, wie dringend Veränderungen notwendig sind. Unterstützende Verbände, darunter der Deutsche Bauernverband und UN Women Deutschland, setzen sich aktiv für die Sichtbarmachung von Frauen in der Landwirtschaft ein und fordern ein Umdenken in der Branche.
Am 3. März 2026 findet die Fachkonferenz „Starke Frauen – starke Landwirtschaft“ statt, auf der die Rolle von Frauen in der Landwirtschaft und die Vorschläge der EU-Kommission für die neue Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) nach 2027 diskutiert werden. Es werden Maßnahmen zur Förderung von Frauen vorgestellt, die nicht nur die Sichtbarkeit, sondern auch die gleichberechtigte Teilhabe im Agrarsektor stärken sollen. Das BMLEH lädt Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft ein, sich aktiv zu beteiligen und gemeinsam Wege zur Förderung von Chancengerechtigkeit zu prüfen.
Strukturelle Herausforderungen und Lösungsansätze
Trotz der Fortschritte, die erzielt wurden, sind Frauen in der Agrarförderung, Finanzierung und Mitbestimmung weiterhin strukturell benachteiligt. Die aktuelle Förderperiode der GAP sieht Gleichstellung als Ziel vor, jedoch profitieren Frauen kaum von den bestehenden Programmen. Förderkriterien wie Mindestbetriebsgrößen und Altersgrenzen erschweren den Zugang zu finanziellen Mitteln für viele Bäuerinnen. Der Deutsche LandFrauenverband e.V. fordert daher die verbindliche Umsetzung von Gendermainstreaming in allen Phasen der GAP und die Einführung geschlechterdifferenzierter Daten sowie ein verbindliches Gender-Tracking ab 2028.
Ein positives Beispiel für die Unterstützung von Frauen in der Landwirtschaft ist das baden-württembergische Programm „Innovative Maßnahmen für Frauen im Ländlichen Raum“. Der dlv spricht sich für den bundesweiten Ausbau von Beratungs-, Coaching- und Förderprogrammen aus, um die Chancen für Frauen zu verbessern, insbesondere in Bezug auf Finanzierung und nachhaltige Unternehmensführung. Das Jahr 2026 soll als politischer Auftrag zur strukturellen Gleichstellung in der Landwirtschaft dienen und den Dialog über die Herausforderungen und Potenziale von Frauen in diesem Sektor anstoßen.
Insgesamt zeigt sich, dass die Rolle der Frauen in der Landwirtschaft nicht nur von großer Bedeutung für die Betriebe selbst ist, sondern auch für die Entwicklung ländlicher Räume. Die bevorstehenden Initiativen und Konferenzen bieten eine wertvolle Plattform, um über Gleichstellung zu diskutieren und Veränderungen einzuleiten, die die Zukunft der Landwirtschaft nachhaltig prägen können. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in den entsprechenden Beiträgen auf MeinBezirk, BMLEH und LandFrauen.