Die Uhren ticken nicht mehr lange in Hermagor. Im Spätsommer 2026 schließt das traditionsreiche Uhrmacher- und Juweliergeschäft der Familie Kury seine Türen. Dieses Geschäft hat über Generationen hinweg das Handwerk in der Region geprägt und damit nicht nur die Zeit, sondern auch die Geschichte der Stadt mitgestaltet. Georg Kury, der 1991 das Unternehmen übernahm und seit 47 Jahren im Beruf aktiv ist, wird sich nach der Schließung aus dem Handwerk zurückziehen. Die Schließung bedeutet das Ende einer Ära, denn mit ihr verschwindet der letzte Uhrmacher im Bezirk.

Die Wurzeln der Familie Kury reichen bis ins Jahr 1885 zurück, als Georg Kury eine Werkstätte in einem Wohnhaus gründete, das heute ein Schuhgeschäft beherbergt. Mit dem Kauf eines Hauses in der Hauptstraße im Jahr 1895 wuchs die Werkstatt und der Ruf des Handwerkers verbesserte sich. Was einst als Reparaturstube begann, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem Anbieter von Schmuck, Musikinstrumenten und optischen Artikeln. August Kury, der Sohn des Gründers, legte nach dem Ersten Weltkrieg großen Wert auf Qualität und Ausbildung, was das Geschäft weiter stärkte.

Die Herausforderungen des Uhrmacherhandwerks

Trotz der Tradition und der hohen Qualität, die das Uhrmacherhandwerk bietet, sieht sich die Branche heute mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert. Das Interesse an mechanischen Uhren bleibt zwar bestehen, doch der Nachwuchs im Handwerk ist rar. In den letzten Jahren sind die betrieblichen Ausbildungsstellen im Uhrmacherhandwerk um fast 20 Prozent gesunken, und die Abwerbung ausgebildeter Uhrmacher ins Ausland stellt ein weiteres Problem dar. Aktuell gibt es nur etwa 200 Auszubildende pro Jahr im Uhrmacherhandwerk, während 600 Uhrmacher den Beruf jährlich verlassen.

Der Rückgang der Betriebe im Uhrmacherhandwerk ist alarmierend. In den letzten 20 Jahren ist die Zahl der Betriebe von fast 3.700 auf 2.100 gesunken. Diese Entwicklungen lassen die Branche um ihre Zukunft bangen. Die Digitalisierung und Automatisierung spielen zwar eine zunehmend wichtige Rolle, doch die Notwendigkeit, mehr junge Menschen für das Handwerk zu gewinnen, bleibt unverändert. Michael Manßhardt, ein Uhrmachermeister, hat die Einführung des „Uhrmacher-Mobils“ initiiert, einer mobilen Werkstatt, die Schulen und Ausbildungsmessen besucht, um das Handwerk zu präsentieren und Nachwuchs zu gewinnen.

Ein Blick in die Zukunft

Die Zukunft des Uhrmacherhandwerks könnte trotz der aktuellen Schwierigkeiten optimistisch sein. Es gibt Initiativen zur Förderung der Ausbildung, wobei bis zu 5.500 Euro pro Ausbildungsplatz bewilligt werden sollen. Der Präsident des Zentralverbands für Uhren, Schmuck und Zeitmesstechnik fordert eine Ausbildungsoffensive, um den Fachkräftemangel zu bekämpfen. Die Resonanz auf neue Projekte wie das Uhrmacher-Mobil ist positiv, und es wird angestrebt, die Ausbildungszahlen zu verdoppeln, um dem drohenden Mangel an Fachkräften entgegenzuwirken. Der Beruf des Uhrmachers bietet viele Spezialisierungsmöglichkeiten und ist international gefragt, was Hoffnung auf eine Wende in der Branche gibt.

Das Ende des Kury-Geschäfts markiert also nicht nur das Aus für einen lokalen Handwerksbetrieb, sondern auch einen Wendepunkt im Uhrmacherhandwerk insgesamt. Die Branche steht vor der Herausforderung, Tradition und Innovation in Einklang zu bringen, um auch in Zukunft relevant zu bleiben. Es bleibt abzuwarten, ob die Initiativen zur Nachwuchsförderung fruchten und das Handwerk wieder mehr junge Menschen anziehen kann.