In Kärnten ist ein besorgniserregender Trend zu beobachten: Immer mehr ältere Menschen leben allein. Dies hat verschiedene Gründe, darunter die berufliche Einspannung der Kinder, schrumpfende Freundeskreise und eine abnehmende Mobilität. Einsamkeit im Alter ist ein weit verbreitetes Thema, das auch in der Gesellschaft diskutiert wird. Um diesem Problem entgegenzuwirken, hat das Rote Kreuz Kärnten einen Besuchsdienst ins Leben gerufen, der echte Begegnungen auf Augenhöhe ermöglicht und die Lebensqualität älterer Menschen verbessert. Brigitte Pekastnig, die dritte Vizepräsidentin des Roten Kreuzes, hebt die Bedeutung von Gesprächen und Austausch für Senioren hervor.

Ein eindrucksvolles Beispiel für die positive Wirkung des Besuchsdienstes ist die 90-jährige Maria Rumpler, die an Demenz leidet. Sie freut sich sehr über die regelmäßigen Besuche von der Freiwilligen Hermine „Mimi“ Entner, die sie seit fünf Jahren besucht. Entner, die vor ihrer Pensionierung ein kleines Hotel leitete, wurde durch ihre Erfahrungen mit ihrer Taufpatin im Altersheim motiviert, ehrenamtlich tätig zu werden. Sie betreut insgesamt 15 Personen und absolviert ihren Dienst zweimal pro Woche für zwei bis drei Stunden. Dabei fällt es ihr nicht schwer, die rund 30 Minuten für den Besuch von Rumpler auf sich zu nehmen. Entner betont, dass Bewegung positive Effekte auf ältere Menschen hat und schätzt die Nähe zu Menschen sehr.

Besuchsdienst als Lebenselixier

Der Besuchsdienst des Roten Kreuzes ist nicht nur eine wertvolle Unterstützung für Senioren, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Entlastung ihrer Angehörigen. Laut dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) richtet sich der Besuchsdienst speziell an ältere, mobil eingeschränkte und allein lebende Senioren. Ehrenamtliche Helfer besuchen diese Senioren in ihren Wohnungen oder Senioreneinrichtungen und fördern die gesellschaftliche Teilhabe. In der Regel entstehen keine Kosten für die Inanspruchnahme des Besuchsdienstes, was ihn für viele Senioren zugänglich macht.

Die Aktivitäten während der Besuche sind vielfältig. Sie reichen von Gesellschaft leisten und Gespräche führen über das Ausfüllen amtlicher Formulare bis hin zu Brett- oder Kartenspielen. Auch die Begleitung zu Arztbesuchen oder beim Einkaufen gehört zum Angebot. Das Ziel ist es, Abwechslung im Alltag der Senioren zu schaffen und ihre Lebensfreude zu fördern. Interessierte können ihren zuständigen Kreisverband durch Eingabe der Postleitzahl auf der Webseite des DRK finden, um weitere Informationen zu erhalten.

Ein Netzwerk der Unterstützung

Besuchsdienste sind eine wichtige Initiative, die auch in Krankenhäusern und Pflegeheimen aktiv ist. Hier bieten ehrenamtliche Mitarbeiter, oft bekannt als „Grüne Damen und Herren“, Gesellschaft und Unterstützung. Die Aufgaben dieser Besuchsdienste sind vielfältig: Sie plaudern, lesen vor, begleiten bei Spaziergängen und Arztbesuchen oder unterstützen bei kulturellen Veranstaltungen. Auch das Verfassen von Schreiben und die Unterstützung im Haushalt fallen in ihren Aufgabenbereich. Es ist wichtig zu erwähnen, dass diese Dienste keine pflegerischen Kompetenzen haben, aber dennoch pflegende Angehörige erheblich entlasten können.

Besuchsdienste sind nicht nur in Kärnten, sondern auch bundesweit bei verschiedenen Organisationen wie Caritas, Malteser, AWO oder Kirchengemeinden aktiv. Zudem gibt es spezielle Besuchsdienste mit Tieren, die nachweislich die psychische Gesundheit älterer Menschen fördern können, indem sie die Kommunikation anregen und positive Reaktionen hervorrufen. In Deutschland wird ein Entlastungsbetrag von bis zu 125 Euro monatlich für pflegebedürftige Personen zur Finanzierung von Alltagsassistentinnen angeboten. Dies zeigt, wie wichtig die Unterstützung von älteren Menschen in unserer Gesellschaft ist.

Für weiterführende Informationen über die Aktivitäten und Angebote des Besuchsdienstes empfehle ich, die Webseite des Deutschen Roten Kreuzes zu besuchen. Auch kann ein Blick auf die Initiativen von Provita lohnenswert sein, um ein umfassenderes Bild der Unterstützungsmöglichkeiten für Senioren zu erhalten.

Für alle, die sich für ehrenamtliches Engagement interessieren, ist der Besuchsdienst eine Möglichkeit, nicht nur anderen zu helfen, sondern auch selbst bereichernde Erfahrungen zu sammeln. Denn wie das Beispiel von Hermine Entner zeigt, kann ein einziger Besuch nicht nur die Lebensqualität eines Senioren verbessern, sondern auch eine tiefe Freundschaft zwischen zwei Menschen entstehen lassen. Dies ist nicht nur ein Gewinn für die Senioren, sondern auch für die Freiwilligen selbst.