In Sehnde engagiert sich Anika Rust leidenschaftlich für die Förderung einer gesunden Mediennutzung unter Kindern. Als Leiterin der Ortsgruppe der Elterninitiative „Smarter Start ab 14“ hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, die Kindheit zu schützen und Eltern zu stärken, ohne dabei moderne Technik zu verteufeln. Dies wird besonders relevant angesichts der Herausforderungen, die die omnipräsente Nutzung von Smartphones mit sich bringt. Rust, selbst Mutter einer Viertklässlerin, beobachtet negative Auswirkungen wie Konzentrationsmängel und sozialen Rückzug bei Kindern, die frühzeitig mit Smartphones in Kontakt kommen.
Viele Eltern fühlen sich unter Druck, ihren Kindern ein Smartphone anzuschaffen, um Ausgrenzung zu vermeiden. Rust hat daher die Initiative ins Leben gerufen, um Eltern zu unterstützen. Sie arbeitet eng mit drei Schulleitungen zusammen und fördert den Elternpakt „Erst Smart, dann Phone“, der Eltern verpflichtet, bis zum Ende der Grundschulzeit kein Smartphone für ihre Kinder zu kaufen. Dieses Engagement mündet in die Forderung nach einem Schulfach „Medienbildung seit der Grundschule“, um den Schülern eine fundierte Digitalkompetenz zu vermitteln.
Schulische Initiativen und digitale Bildung
Ein wichtiger Schritt in diese Richtung wird an der KGS Sehnde unternommen, die zum Schuljahr 2025/2026 ein „Digital Detox“ einführt, bei dem Handys in der Schule nicht erlaubt sind. Auch die Elsa-Brändström-Schule in Hannover plant für das Schuljahr 2026/2027 eine handyfreie fünfte Klasse. Rust sieht eine solche Klasse nicht als Rückschritt, sondern als Möglichkeit für Lernen und Entwicklung. Die Entscheidung für eine smartphonefreie Klasse in Sehnde soll letztlich bei den Eltern liegen.
Doch nicht nur in Sehnde wird über Mediennutzung diskutiert. Regelmäßige Studien zeigen, dass Kinder bereits im Kleinkindalter digitale Medien nutzen. Laut der BLIKK-Studie 2017 verwenden 70% der Kinder im Kita-Alter Smartphones ihrer Eltern mehr als eine halbe Stunde täglich. Die KIM-Studie 2016 stellt fest, dass Kinder in ihrem Alltag stark von digitalen Medien umgeben sind, wobei jedes dritte Kind zwischen 6 und 13 Jahren ein eigenes Smartphone besitzt. Eltern fühlen sich oft überfordert mit der Medienerziehung und sehen die Verantwortung primär bei den Schulen. Dies ist auch der Grund, warum 76% der Eltern die Schulen in der Pflicht zur Medienerziehung sehen.
Vorteile und Herausforderungen der digitalen Medien
Die Bedeutung einer gemeinsamen Medienerziehung in Elternhäusern und Bildungseinrichtungen wird von Experten immer wieder betont. Studien belegen, dass Kinder und Jugendliche von digitalen Medien profitieren können, wenn sie bewusst genutzt werden. Allerdings gibt es auch Warnungen vor negativen Auswirkungen, wie Bindungs-, Sprachentwicklungs- und Konzentrationsstörungen, die durch übermäßigen Medienkonsum auftreten können. Diese Herausforderungen stellen sowohl Eltern als auch Lehrkräfte vor große Aufgaben.
Die Initiative „Smarter Start ab 14“ und ähnliche Projekte können hier unterstützend wirken. Sie bieten nicht nur informative Ansätze zur Mediennutzung, sondern auch Begleitung für Eltern, die mit der frühen Anschaffung eines Smartphones für ihre Kinder hadern. Es ist wichtig, dass Eltern und Schulen gemeinsam an einem Strang ziehen, um eine verantwortungsvolle Mediennutzung zu fördern und den Kindern die nötigen Kompetenzen an die Hand zu geben.
Für die Umsetzung dieser Ziele ist es entscheidend, dass die Schulen über die notwendige technische Ausstattung und Weiterbildungsmöglichkeiten für Lehrkräfte verfügen. Der Monitor Digitale Bildung 2017 zeigt, dass hier noch Verbesserungsbedarf besteht, da es keine wesentliche Verbesserung der Situation seit 2013 gab. Das Ziel bleibt jedoch klar: Medienbildung als Schlüsselqualifikation soll im Grundschulbereich gefördert werden, um die Kinder bestmöglich auf die digitale Welt vorzubereiten.
Insgesamt zeigt sich, dass die Diskussion um die Mediennutzung von Kindern komplex ist und viele Facetten umfasst. Initiativen wie die von Anika Rust sind ein Schritt in die richtige Richtung, um das Bewusstsein für die Herausforderungen und Chancen der digitalen Welt zu schärfen. Informationen und Unterstützung für Eltern sind dabei unerlässlich, um eine sichere und gesunde Medienumgebung für die nächste Generation zu schaffen. Mehr dazu finden Sie in den detaillierten Studien und Berichten, die sich mit dem Thema Mediennutzung und Medienkompetenz befassen: Bpb und Kindergesundheit.