In den letzten Wochen hat die Diskussion um Asbestfunde im Burgenland an Intensität gewonnen. Besonders betroffen ist der Bezirk Oberwart, wo eine Taskforce zur Untersuchung von Asbestfunden im Mittel- und Südburgenland tätig ist. Diese Taskforce wird ihren Endbericht frühestens im Sommer vorlegen, aber erste „belastbare“ Ergebnisse werden bereits Ende Februar erwartet. Um die Luftqualität zu prüfen, wurden Luftmessungen an neun Standorten in Oberwart, Rechnitz und Neumarkt/Tauchental begonnen. Es steht fest, dass Gefahr für die Gesundheit nur bei der Freisetzung von Asbestfasern in die Luft besteht. Aktuelle Messungen zeigen jedoch, dass alle Werte unter den relevanten Richtwerten der Taskforce liegen und eine akute Gesundheitsgefährdung ausgeschlossen werden kann.

Greenpeace hatte zuvor krebserregendes Asbest in Schotter und Asphalt festgestellt, was zur sofortigen Reaktion der Behörden führte. Umweltchemiker Herwig Schuster von Greenpeace warnt allerdings, dass das feuchtkalte Winterwetter dazu führen kann, dass Asbeststaub gebunden wird und Kurzzeitmessungen somit keine Entwarnung bieten können. Dies unterstreicht die Notwendigkeit für langfristige Messungen, die über unterschiedliche Witterungsbedingungen hinweg durchgeführt werden müssen. In diesem Zusammenhang hat die Taskforce auch Empfehlungen an Straßenmeistereien ausgesprochen, alternative Lieferanten für Streusplitt zu suchen.

Aktuelle Messungen und Ergebnisse

Die Taskforce „Vorsorgeabklärung Luftqualität“ hat bereits an den von Greenpeace als belastet gemeldeten Standorten Luftmessungen vorgenommen. An diesen neun Standorten, wie dem Hauptplatz in Oberwart und dem Skatepark Rechnitz, wurde keine erhöhte Asbestbelastung in der Luft festgestellt. Es konnten zwar Asbestfasern nachgewiesen werden, jedoch nur an der Grenze der Nachweisbarkeit. Umweltmediziner Hanns Moshammer betont, dass unter den gegebenen Umständen niemand Angst haben muss. Die Ergebnisse der Messungen sind jedoch nur vorläufig, und erneute Messungen sind für das Frühjahr oder den Sommer 2026 geplant.

Besonders kritisch äußern sich die Behörden zur Situation in sensiblen Bereichen wie Spielplätzen und Parks. Greenpeace fordert die sofortige Entfernung freiliegender Asbeststeine, um die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten. Zudem wurde im seit Januar gesperrten Steinbruch in Pilgersdorf eine Luftmessung und Gesteinsprobe durchgeführt; die Ergebnisse stehen allerdings noch aus. Auch in drei weiteren Steinbrüchen im Bezirk Oberwart sind weitere Untersuchungen geplant.

Asbest in der Bauindustrie und Vorsorgemaßnahmen

Asbest ist ein mineralischer Baustoff, der aufgrund seiner hervorragenden bautechnischen Eigenschaften in vielen Gebäuden verwendet wurde. Vor allem Gebäude aus den 80er Jahren oder früher sind betroffen. Die Gefährdung für die Bewohner hängt stark von der Bindung der Asbestfasern im Bauteil ab. Leicht-gebundene Fasern können leichter in die Raumluft gelangen, während fest-gebundene Fasern nur in geringen Mengen freigesetzt werden. Gefahren entstehen besonders bei handwerklichen Arbeiten, etwa beim Entfernen von Tapeten oder dem Rückbau älterer Heizungs- und Lüftungsanlagen.

In Anbetracht dieser Risiken wird empfohlen, vor Kauf oder Verkauf einer Immobilie, bei offensichtlichen Verdachtsmomenten oder nach Asbestsanierungen eine Asbestmessung durchzuführen. Diese Messungen dienen nicht nur der gesundheitlichen Vorsorge, sondern auch der Rechtssicherheit. Die Asbestmessung erfolgt gemäß VDI 3492, wobei ein akzeptabler Wert von 500 Fasern pro Kubikmeter Raumluft gilt. Eine fachgerechte Sanierung sollte stets gemäß TRGS 519 durchgeführt werden, und Raumluftmessungen vor dem Abbau von Schutzvorrichtungen sind besonders wichtig.

Insgesamt zeigt die aktuelle Situation im Burgenland, dass das Thema Asbest nach wie vor von hoher Relevanz ist und kontinuierliche Aufmerksamkeit erfordert. Die bevorstehende Asbest-Sondersitzung des Landtags am 16. Februar wird sicherlich weitere Klarheit bringen und notwendige Maßnahmen zur Sicherheit der Bevölkerung anstoßen.

Für mehr Informationen zu den aktuellen Entwicklungen können Sie die vollständigen Berichte unter Kurier und Vienna.at nachlesen. Weitere fachliche Details zur Asbestmessung finden Sie unter Institut BEB.