Faschingsumzüge sind ein wahres Spektakel, das nicht nur den Straßen Leben einhaucht, sondern auch die Kreativität und das ehrenamtliche Engagement der Menschen in den Vordergrund rückt. In Oberpullendorf ist die Vorfreude auf den kommenden Faschingsumzug spürbar, der von der Jugendgruppe Nebersdorf organisiert wird. Unter dem Motto „Stars am Wörthersee“ werden die Teilnehmer in schillernden Kostümen auftreten, die allesamt einen „Star“ darstellen. Die Idee für diesen Wagen entstand etwa eineinhalb Monate vor dem Umzug, und die kreative Umsetzung erfordert wochenlange Planung und handwerkliches Geschick. Die Gruppe arbeitet hauptsächlich an Wochenenden, wobei die Verfügbarkeit der Teilnehmer entscheidend ist. Ein Aspekt, der in der heutigen Zeit immer wichtiger wird, ist die Nachhaltigkeit: Materialien aus Vorjahren kommen wieder zum Einsatz, was nicht nur Kosten spart, sondern auch die Umwelt schont. Die jährlichen Kosten für den Bau eines Wagens belaufen sich auf etwa 300 bis 500 Euro und werden von der gesamten Jugendgruppe getragen, wobei eine Person die Koordination übernimmt. Quelle.

In der Nachbargemeinde Unterfrauenhaid gibt es eine Gruppe von Wagenbauern, die seit Jahren aktiv ist und sich von einfachen Wagen zu aufwendigeren Konstruktionen entwickelt hat. Der Faschingsumzug in dieser Gemeinde findet alle zwei Jahre statt, und so kann die Vorfreude auf die Veranstaltung stets neu entflammen. In diesem Jahr wird ein Après-Ski-Wagen mit Skipiste und Sessellift gebaut, was die Vorbereitungen besonders aufregend macht. Die Gruppe besteht aus 16 Personen, die alle Freunde sind und die beim Bau tatkräftig unterstützen, sogar die Kinder sind mit von der Partie. Ein Wagen kostet im Schnitt zwischen 1.000 und 1.500 Euro an Material, und Entscheidungen werden gemeinschaftlich innerhalb der Gruppe getroffen. Diese Form der Zusammenarbeit und der Zusammenhalt sind es, die diese Tradition so lebendig halten.

Fasnachtstraditionen in Malsch

Während in Oberpullendorf die Vorbereitungen für den Faschingsumzug auf Hochtouren laufen, verwandelt sich die Gemeinde Malsch im Rhein-Neckar-Kreis in eine Hochburg des Wagenbaus. Am 2. März wird dort ein prächtiger Fasnachtsumzug stattfinden, bei dem die Fasnachtswagen bis zu sieben Meter hoch und kunstvoll gestaltet sind. In Scheunen, Hinterhöfen und Autohäusern wird bis spät in die Nacht gearbeitet, und jede Gruppe versucht, die spektakulärste Konstruktion zu erschaffen. In diesem Jahr sind unter anderem ein riesiger Elefant, aztekische Götterfiguren und Tempelbauten als Themen zu sehen. Alexander Mohr, ein Malscher, hebt die tief verwurzelte Fasnachtstradition in der Gemeinde hervor. Der Umzug wird vom Verkehrs- und Heimatverein Malsch organisiert, und viele Gruppen, wie die „kleinen Feiglinge“ mit ihren aufwendigen Tierköpfen, treten auf. Quelle.

Trotz des Wettbewerbs zwischen den Vereinen steht der Spaß und der Zusammenhalt im Vordergrund. In Malsch gibt es im Gegensatz zu anderen Städten wie Heidelberg oder Mannheim keine finanziellen Probleme für die Fasnacht. Ein jährlicher Fasnachtsmarkt finanziert den Umzug, und Besucher müssen eine Fasnachtsplakette für drei Euro kaufen, um die Kosten zu decken. So wird nicht nur das gemeinschaftliche Gefühl gefördert, sondern auch die Freude an dieser bunten Tradition lebendig gehalten. Eine Fasnachtstruppe hat sogar einen Segelflieger aus recyceltem Holz und Draht gebaut – ein weiteres Beispiel für kreative Nachhaltigkeit in der Fasnacht.

Die Fasnacht ist mehr als nur ein Umzug – sie ist ein Ausdruck von Gemeinschaft und Kreativität, der das ganze Jahr über Vorbereitungen und Engagement erfordert. Die Traditionen in Oberpullendorf und Malsch zeigen eindrucksvoll, wie wichtig diese Veranstaltungen für die lokale Kultur sind. Sie bringen Menschen zusammen, stärken die Gemeinschaft und bieten Raum für künstlerische Entfaltung. In einer Zeit, in der Individualismus oft im Vordergrund steht, sind solche gemeinschaftlichen Projekte ein wertvoller Anker.