In Mattersburg wird die Situation für lokale Geschäfte immer prekärer. Immer mehr Läden schließen ihre Türen, was nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Debatten über die Ursachen und mögliche Lösungen zur Folge hat. Die Stadtführung verweist dabei auf laufende Maßnahmen wie den „Mattersburger 10er“, während die Opposition, insbesondere die ÖVP, eine langfristige Strategie einfordert. Diese Diskussion zeigt, wie sehr die Stadt mit den Herausforderungen des Leerstands kämpft, die durch die Konkurrenz am Stadtrand und im Internet verstärkt werden.

Ein aktuelles Beispiel ist die Vinothek „Terroir“, die ebenfalls schließen wird, was die Anzahl der Leerstände in der Innenstadt weiter erhöht. In Oberpullendorf, einer Nachbargemeinde, sieht man sich ähnlichen Schwierigkeiten gegenüber, da dort gerade der letzte Nahversorger in Gefahr ist, während neue Supermärkte und Fast-Food-Lokale im Businesspark eröffnen. Der ÖVP-Stadtrat Thomas Haffer betont den dringenden Handlungsbedarf und weist auf die hohe Anzahl an Leerständen hin, während Bürgermeisterin Claudia Schlager (SPÖ) die Kritik zurückweist und anmerkt, dass 84 Unternehmen in der Innenstadt aktiv sind. Trotz dieser positiven Zahlen bleibt die Stimmung angespannt, und die Kronen-Zeitung bezeichnet Mattersburg gar als „Geisterstadt“.

Politische Auseinandersetzungen und Zukunftsperspektiven

Die politischen Auseinandersetzungen über die Ursachen der Leerstände und die Verantwortung der Stadtführung sind intensiv. Haffer fordert eine strategische Gesamtlinie statt punktueller Maßnahmen und kritisiert die fehlenden spürbaren Fortschritte seit der Aufnahme eines Darlehens zur Innenstadtgestaltung vor zwei Jahren. Ein Unternehmerstammtisch am 25. Februar soll den Austausch zwischen Stadt und Betrieben fördern und könnte möglicherweise neue Impulse für die Innenstadtentwicklung geben.

In Oberpullendorf sind aktuell 20 Leerstände zu verzeichnen, aber es gibt auch Lichtblicke mit vier Neueröffnungen in Planung. Diese Entwicklungen stehen im Kontext des allgemeinen Trends in Österreich, wo die Leerstandsquote in 24 Innenstadtbereichen derzeit bei 4,9% liegt, ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Dennoch ist die Situation vielerorts angespannt, insbesondere in Städten wie Steyr und Wiener Neustadt, wo die Leerstandsquoten bei über 10% liegen.

Ursachen und innovative Lösungen

Die Ursachen für den Leerstand sind vielfältig: der Strukturwandel im Einzelhandel, der unaufhaltsame Aufstieg des E-Commerce und die wirtschaftlichen und demografischen Veränderungen, die durch die COVID-19-Pandemie verstärkt wurden. Innovative Lösungen und die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Akteuren sind unerlässlich, um dieser Problematik zu begegnen. Stadtmanager sehen sich finanziellen Herausforderungen gegenüber und müssen kosteneffiziente Lösungen entwickeln, um die Innenstädte wieder attraktiv zu machen.

Die Förderung öffentlich-privater Partnerschaften und die Nutzung von EU-Fördermitteln könnten einen Weg darstellen, um die Situation zu verbessern. Strategien zur Innenstadt-Attraktivierung wie Events, Kulturangebote oder Co-Working-Spaces sind vielversprechende Ansätze, um Leerständen entgegenzuwirken. Erfolgreiche internationale Beispiele wie die Tabakfabrik Linz oder der Talent Garden in Mailand zeigen, dass durch kreative Nutzung leerstehender Flächen neue Impulse gesetzt werden können.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Situation in Mattersburg und Oberpullendorf ein Spiegelbild der Herausforderungen ist, vor denen viele österreichische Städte stehen. Die Verantwortung liegt sowohl bei den Stadtführungen als auch bei den Bürgern, die gemeinsam innovative Lösungen entwickeln müssen, um die Innenstädte wieder zu beleben. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter Kurier, ORF Burgenland sowie Stadtmarketing.