In Neuhaus am Klausenbach, einer kleinen Gemeinde in der Nähe von Jennersdorf, gibt es ein wachsendes Sicherheitsproblem für Fußgänger. Die L 256, eine rund vier Kilometer lange, schnurgerade Straße, führt durch das Dorf und hat eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 50 km/h am Ortsende, die sich danach auf 100 km/h erhöht. Diese Verkehrssituation gefährdet insbesondere die Anwohner, darunter drei landwirtschaftliche Anwesen und deren Familien, die insgesamt neun Kinder zählen. Eine Infrastruktur, die Geh- oder Radwege umfasst, gibt es nicht, lediglich ein schmaler Randstreifen für Fußgänger ist vorhanden. Dies macht den Schulweg für die Kinder besonders gefährlich, da sie diesen nicht eigenständig bewältigen können.

Die Anwohner haben seit 1990 unermüdlich eine Reduktion der Höchstgeschwindigkeit auf 70 km/h gefordert, jedoch ohne nennenswerten Erfolg. Bei einer Verkehrsbegehung im Jahr 2018 kam heraus, dass keine Geschwindigkeitsbeschränkung erforderlich sei. Aktuell wird geprüft, inwieweit Verkehrszählungen, V85-Werte, Straßenbreiten, Sichtweiten und die Unfalllage eine neue Bewertung der Situation notwendig machen. Erst kürzlich gab es einen Vorfall, bei dem eine Mutter mit ihrem zwei Wochen alten Baby im Kinderwagen von einem Fahrzeug gestreift wurde. Glücklicherweise blieben beide unverletzt, doch der Kinderwagen wurde beschädigt. Der Unfalllenker konnte bislang nicht ausfindig gemacht werden, was die Forderung der Anwohner nach mehr Sicherheit umso dringlicher erscheinen lässt. In diesem Kontext bleibt die Frage offen, ob es zu schweren Unfällen kommen muss, bevor endlich gehandelt wird. Für viele Anwohner ist klar: Sie wünschen sich mehr Sicherheit, jedoch keine Sonderbehandlung.

Bundesweite Strategien für Fußgängersicherheit

Die Gefahren für Fußgänger sind nicht nur ein lokales Phänomen. Am 12. Februar 2025 hat die Bundesregierung die erste nationale Fußverkehrsstrategie beschlossen, die darauf abzielt, den Fußverkehr als gleichberechtigte Mobilitätsform zu stärken und die Sicherheit zu erhöhen. Diese Strategie ist besonders relevant, da über 80 Prozent der Bevölkerung regelmäßig zu Fuß unterwegs sind. Die Maßnahmen der Strategie umfassen unter anderem die Verbreiterung von Gehwegen, die Schaffung sicherer Übergänge und den Abbau von Barrieren. Angesichts der gestiegenen Zahl der getöteten Fußgänger:innen von 417 im Jahr 2019 auf 437 im Jahr 2023 ist es dringend notwendig, Maßnahmen zu ergreifen, um den Anstieg der Unfallzahlen entgegenzuwirken.

Die Strategie definiert fünf zentrale Handlungsfelder, darunter gesetzliche Rahmenbedingungen, kommunale Planung und Finanzierung. Kommunen erhalten künftig mehr Freiheiten, Tempo 30 an Schulwegen und stark frequentierten Bereichen einzuführen. Erfolgreiche Beispiele aus Städten wie Helsinki und Bologna zeigen, dass Geschwindigkeitsreduzierungen die Zahl der getöteten Fußgänger:innen sogar auf Null senken können. Diese Entwicklungen könnten auch für Neuhaus am Klausenbach von Bedeutung sein, wo die Anwohner seit langem auf eine Verbesserung der Situation warten.

Ein Schritt in die richtige Richtung

Die neue Fußverkehrsstrategie des Bundesministeriums für Verkehr (BMV) hat das Ziel, die Lebensqualität in Städten und Gemeinden zu steigern und die Gesundheit der Bevölkerung zu fördern. Zudem soll sie auch den Klima- und Umweltschutz vorantreiben. Die Strategie sieht auch eine Novellierung der Straßenverkehrs-Ordnung vor, um Maßnahmen zugunsten des Fußverkehrs zu erleichtern, wie mehr Fußgängerüberwege und Tempo 30 an Hauptverkehrsstraßen. Diese gesetzlichen Neuerungen könnten auch für Neuhaus von Bedeutung sein.

Die Bevölkerung wird in die Planung einbezogen, und regelmäßige Verkehrssicherheitsaudits sollen dazu beitragen, ein barrierefreies Wegenetz zu schaffen. Die Förderung des Fußverkehrs ist seit 2022 ein eigenständiges Handlungsfeld des BMV, und für innovative Modellvorhaben standen 2024 bereits 2,5 Millionen Euro zur Verfügung. All diese Maßnahmen könnten dazu beitragen, die Sicherheit für Fußgänger in Neuhaus am Klausenbach zu erhöhen und die Lebensqualität für alle Anwohner zu verbessern.

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