In Jennersdorf fand kürzlich ein Pressetermin entlang der Raab statt, bei dem Vertreter der grünen Initiative „Flussraum Raab“ anwesend waren. Unter den Gästen waren die burgenländische Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner und die steirische Landtagsabgeordnete Sandra Krautwaschl. Diese Veranstaltung hatte das Ziel, die geplanten Renaturierungsmaßnahmen entlang der Raab zu präsentieren. Diese Initiative zielt auf die ökologische Entwicklung des Flussraums von der Obersteiermark bis zur Mündung in die Donau bei Györ in Ungarn ab. Ein wichtiger Bestandteil dieser Bestrebungen ist die EU-Renaturierungsverordnung von 2024, die darauf abzielt, naturnahe Flüsse und ökologische Funktionen zu stärken, wobei die Wiederherstellung der Natur bis 2030 gefordert wird. Die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit zwischen Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Land- und Forstwirtschaft sowie Grundbesitzern wird als essenziell erachtet.
Ein zentrales Anliegen der Initiative ist die Wiederherstellung natürlicher Flussverläufe, die Uferbepflanzungen und die Schaffung ökologischer Korridore. Die Problematik des Absinkens der Grundwasserspiegel, die teilweise versiegte Brunnen zur Folge hat, macht die geplanten Maßnahmen besonders dringlich. Dazu zählen Rückhaltemaßnahmen für Niederschläge, sowohl durch den Bau von Staudämmen als auch durch Maßnahmen in Bächen. Ein zusätzliches Thema, das zur Diskussion stand, waren die illegalen Kahlschläge entlang der Raab im Vorjahr, die auf große Kritik stießen. Biologe Joachim Tajmel erklärte, dass Baumfällungen nur selektiv genehmigt waren, während massive Rodungen nicht erlaubt waren. Haider-Wallner betonte die Notwendigkeit, dass Verstöße gegen Richtlinien Konsequenzen haben müssen, was durch bereits verhängte Strafen und angeordnete Ersatzpflanzungen für illegale Rodungen unterstrichen wird.
EU-Renaturierungsverordnung und ihre Ziele
Die EU-Renaturierungsverordnung, die von Parlament und Rat vereinbart wurde, hat das Ziel, geschädigte Ökosysteme in allen Mitgliedstaaten wiederherzustellen. Sie soll zur Verwirklichung der Klima- und Artenschutzziele der EU sowie zur Ernährungssicherheit beitragen. Bis 2030 müssen mindestens 30 % der betroffenen Lebensräume in einen guten Zustand versetzt werden, wobei dieser Prozentsatz bis 2040 auf 60 % und bis 2050 auf 90 % ansteigt. Als besonders wichtig wird der Fokus auf die Natura-2000-Gebiete bis 2030 erachtet. Die Mitgliedstaaten müssen nationale Sanierungspläne erstellen, um diese ehrgeizigen Ziele zu erreichen.
Ein weiterer Aspekt der Verordnung betrifft die Wiederherstellung von mindestens 25.000 Flusskilometern, um Flüsse wieder frei fließen zu lassen. Diese Maßnahmen sind nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern bringen auch wirtschaftliche Vorteile mit sich: Jeder investierte Euro in die Renaturierung kann einen Nutzen von mindestens acht Euro generieren. Über 80 % der europäischen Lebensräume sind derzeit in einem schlechten Zustand, was die Dringlichkeit dieser Maßnahmen unterstreicht. Die Renaturierung der Raab ist somit Teil eines größeren europäischen Plans zur Wiederherstellung der Natur und zur Sicherung der Biodiversität.
Langfristige Planung und Einbindung der Akteure
Die Gewässerrenaturierung ist ein komplexer Prozess, der die Rückführung eines vom Menschen veränderten Gewässers in einen natürlicheren Zustand zum Ziel hat. Synonyme wie Regeneration, Rekonstruktion und Revitalisierung heben den umfassenden Charakter dieser Maßnahmen hervor. Um eine eigendynamische Entwicklung hin zu einem naturnahen Zustand zu ermöglichen, sind initiale Maßnahmen durch den Menschen erforderlich, wie beispielsweise die Entfernung von Beton am Ufer oder im Flussbett. Renaturierungen sollten dem Prinzip „Entwickeln lassen statt Umbauen“ folgen, wobei jede Baumaßnahme in das Ökosystem „Fließgewässer“ eingreift.
Wichtige Fragen, die sich im Kontext der Renaturierung stellen, sind: Wie soll ein Bach oder Fluss in Zukunft aussehen? Was sind die Ziele einer Renaturierung? Planungen und Durchführungen von Gewässerrenaturierungen können langwierig sein und oft dauert es viele Jahre, bis ein Fließgewässer einen naturnahen Zustand erreicht. Daher ist eine langfristige Planung sowie die frühzeitige Einbindung aller betroffenen Akteure und Interessengruppen von großer Bedeutung.
Die Bedeutung der Renaturierung entlang der Raab wird durch die aktuellen Entwicklungen und die gesetzten Ziele unterstrichen. Sowohl die lokale Initiative als auch die EU-Renaturierungsverordnung tragen dazu bei, den Flussraum nachhaltig zu entwickeln und die ökologischen Funktionen für zukünftige Generationen zu sichern. Weitere Informationen zu den geplanten Renaturierungen können auf der Webseite meinbezirk.at nachgelesen werden. Die rechtlichen Rahmenbedingungen und Ziele der EU sind auf der Seite des Europäischen Parlaments zu finden, während grundlegende Informationen zur Gewässerrenaturierung auf der Seite des Umweltbundesamts bereitgestellt werden.





