Am 8. März, dem Internationalen Frauentag, setzten die burgenländischen SPÖ-Frauen in Güssing ein starkes Zeichen für die Gleichstellung der Geschlechter. Inspiriert von dem bemerkenswerten Frauenstreik in Island von 1975, bei dem mehr als 90 Prozent der weiblichen Bevölkerung für einen Tag die Arbeit niederlegten, veranstalteten sie einen Filmnachmittag. Diese Aktion führte dazu, dass Island weithin als „bester Ort der Welt, um eine Frau zu sein“ bezeichnet wird. Hochrangige Vertreterinnen wie Landtagspräsidentin Astrid Eisenkopf und Landesrätin Daniela Winkler waren bei der Veranstaltung anwesend.
Der Film „Ein Tag ohne Frauen“, der die kollektive Kraft der Frauen zur gesellschaftlichen Veränderung thematisiert, wurde gezeigt. Astrid Eisenkopf hob in ihrer Rede hervor, dass Gleichstellung aktiv erkämpft werden müsse. Es ist ein Thema, das auch in Österreich von großer Bedeutung ist, wo eine Prognose besagt, dass es bei aktuellem Fortschritt noch 123 Jahre dauern würde, bis echte Gleichstellung erreicht ist. Ein weiterer Punkt, der zur Diskussion stand, war die Tatsache, dass Mädchen im Jahr 2026 immer noch durchschnittlich 30 Minuten mehr Sorgearbeit pro Tag leisten als ihre Brüder.
Die Wurzeln des isländischen Frauenstreiks
Der Frauenstreik in Island, der am 24. Oktober 1975 stattfand, war nicht nur ein Protest, sondern eine Bewegung, die die Gesellschaft nachhaltig veränderte. Über 20.000 Frauen versammelten sich zu Demonstrationen, um Gleichberechtigung, faire Bezahlung und bessere Kinderbetreuung zu fordern. Zu diesem Zeitpunkt lag der Frauenanteil im isländischen Parlament bei lediglich fünf Prozent, und Frauen verdienten in vielen Berufen, beispielsweise im Einzelhandel, bis zu 25 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Der Streik erhielt breite Unterstützung, auch von Gewerkschaften und der Presse, und viele Frauen traten, mit Ausnahme des medizinischen Personals, in den Streik. Dies führte dazu, dass der Telefondienst praktisch zum Erliegen kam und viele Geschäfte, Schulen und Kinos geschlossen blieben.
Der Streik wurde von der feministischen Gruppe „Rote Socken/Rødstrømpern“ angestoßen, die bereits 1970 einen Frauenstreik forderte. Gerður Steinþórsdóttir schlug den Namen „Frauenruhetag“ vor, und die Aktion wurde zum Katalysator für Veränderungen, die ein Jahr später in die Verabschiedung eines Gleichberechtigungsgesetzes mündeten. 1980 wurde Vigdís Finnbogadóttir zur ersten demokratisch gewählten Präsidentin der Welt gewählt, und Island führt seit über einem Jahrzehnt den Gender Gap Index des Weltwirtschaftsforums an.
Gleichstellung in Europa
Die Gleichstellungspolitik der Europäischen Union hat ebenfalls eine lange Geschichte. Seit den Römischen Verträgen von 1957 wird Gleichstellung als Querschnittsziel in allen Politikfeldern institutionalisiert. Der EWG-Vertrag hielt erstmals den Grundsatz des gleichen Lohns für gleiche Arbeit fest, und seitdem hat sich die EU kontinuierlich für die Rechte von Frauen eingesetzt. 1982 wurde das erste mittelfristige Aktionsprogramm zur Förderung von Chancengleichheit für Frauen verabschiedet, und die Strategie des Gender Mainstreaming wurde 1996 rechtlich verbindlich gemacht.
Heute umfasst die Gleichstellungspolitik der EU eine Vielzahl von Verordnungen und Richtlinien, die darauf abzielen, die Chancengleichheit zu verbessern und die Einkommenslücke zwischen Männern und Frauen zu schließen. Der jährliche feministische Kampftag am 24. Oktober, der an den isländischen Frauenstreik erinnert, zeigt, dass der Kampf für Gleichstellung nicht nur in Island, sondern auch in ganz Europa von großer Bedeutung bleibt.
In Güssing haben die SPÖ-Frauen mit ihrer Veranstaltung ein wichtiges Zeichen gesetzt. Der Austausch über die Herausforderungen und Errungenschaften der Gleichstellung ist unerlässlich, um die Aufmerksamkeit auf dieses Thema zu lenken und eine gemeinsame Anstrengung für eine gerechtere Zukunft zu fördern. Die Tatsache, dass Frauen in Österreich seit 1975 ohne Zustimmung des Ehemanns einen Beruf ausüben dürfen und dass Vergewaltigung in der Ehe seit 1989 strafbar ist, sind Fortschritte, die jedoch nicht darüber hinwegsehen lassen, dass noch viel Arbeit vor uns liegt.