Im Burgenland dreht sich am 1. März alles um den Equal Care Day, der auf den Gender-Care-Gap aufmerksam macht. Dieser Tag, der alle vier Jahre gefeiert wird, wurde 2016 von Almut Schnerring und Sascha Verlan ins Leben gerufen und symbolisiert mit dem Schalttag ein Verhältnis von 4:1. Das bedeutet konkret, dass Männer vier Jahre Care-Arbeit leisten müssten, um das Pensum von Frauen in einem Jahr zu erreichen. Laut einer aktuellen Studie leisten Frauen in Österreich fast doppelt so viel unbezahlte Sorgearbeit wie Männer, was wirtschaftliche und soziale Folgen hat. Der Gender-Care-Gap beträgt momentan 43 Prozent, was bedeutet, dass Frauen im Durchschnitt 43,4 Prozent mehr Zeit für unbezahlte Sorgearbeit aufwenden als ihre männlichen Kollegen. Frauen verbringen täglich etwa 3 Stunden und 48 Minuten mit diesen Aufgaben, während Männer nur 2 Stunden und 14 Minuten investieren. In der Altersgruppe der 30- bis 34-Jährigen fließen fast 60 Prozent der Arbeitszeit von Frauen in unbezahlte Arbeit.

Unbezahlte Care-Arbeit umfasst nicht nur die Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen und Hausarbeit, sondern auch ehrenamtliche Tätigkeiten und die familiäre Organisation. Diese Aufgaben werden oft als selbstverständlich angesehen und nicht ausreichend gewürdigt. Ein weiterer Aspekt, der oft übersehen wird, ist der „Mental Load“, also die unsichtbaren Managementprozesse im Familienalltag, die oft nicht als Arbeit anerkannt werden. Der Gender-Care-Gap beginnt bereits im Kindesalter und begleitet Frauen ein Leben lang. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von traditionellen Geschlechterrollen über Gehaltsunterschiede bis hin zu fehlender Infrastruktur.

Maßnahmen im Burgenland

Um dem Gender-Care-Gap entgegenzuwirken, hat das Burgenland seit 2019 ein Anstellungsmodell für betreuende Angehörige eingeführt. Aktuell nutzen 395 Personen dieses Modell, das den betreuenden Angehörigen ein Gehalt, soziale Absicherung, Beitragszeiten für die Pension, Erholungsurlaub und Grundausbildung bietet. Unterstützungsbesuche durch diplomiertes Gesundheits- und Pflegepersonal werden ebenfalls angeboten, um die Qualität der Betreuung zu sichern. Diese Maßnahmen sind ein Schritt in die richtige Richtung, um die Care-Arbeit aufzuwerten und abzusichern.

Laut der Zeitverwendungserhebung (ZVE) 2022, die die Basis für die Berechnung des Gender-Care-Gaps bildet, verbringen Männer pro Woche knapp 20 Stunden und Frauen knapp 29 Stunden mit unbezahlter Sorgearbeit. Die letzte ZVE fand 2022 statt, und die ersten Ergebnisse wurden am 28. Februar 2024 veröffentlicht, wobei der Gender-Care-Gap von 52,4 Prozent im Jahr 2012/2013 auf die aktuellen 43,4 Prozent gesenkt wurde. Diese Entwicklung zeigt, dass sich etwas bewegt, allerdings bleibt der Weg zur Gleichstellung noch lang.

Ein Blick über die Grenzen

Interessanterweise zeigt eine US-amerikanische Studie, dass in homosexuellen Partnerschaften die Aufteilung der Sorgearbeit gleichmäßiger ist als in heterosexuellen Beziehungen. In lesbischen Partnerschaften verbringen Frauen weniger Zeit mit Care-Arbeit, während Männer in schwulen Beziehungen tendenziell mehr Zeit dafür aufwenden. Historisch gewachsene Rollenbilder von Mann und Frau beeinflussen jedoch den Gender-Care-Gap in allen Partnerschaften, auch in solchen mit Kindern. Die Datenlage in Deutschland zu diesem Thema ist schwierig, und es gibt nur wenig Forschung zu Geschlechterrollen in Regenbogenfamilien.

Die Diskussion um den Gender-Care-Gap ist vielschichtig und betrifft nicht nur Frauen, sondern die gesamte Gesellschaft. Gerechtere Verteilungen der unbezahlten Sorgearbeit könnten Frauen wirtschaftlich unabhängiger machen und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern. Es bleibt zu hoffen, dass das Bewusstsein für diese Themen weiter wächst und Maßnahmen ergriffen werden, um die Gleichstellung in der Gesellschaft voranzutreiben. Mehr Informationen zu den Hintergründen und aktuellen Entwicklungen finden sich auch in den Berichten der MeinBezirk und BMBF.