In Eisenstadt wird nicht nur das Lesen, sondern auch das Wohl der Tiere großgeschrieben. Ein bemerkenswertes Projekt, das beide Aspekte miteinander verbindet, ist das „Lesekatzen“-Programm im Tierschutzhaus Sonnenhof. Hier haben Kinder die Möglichkeit, Katzen Geschichten vorzulesen, ohne Angst vor Bewertungen oder Leistungsdruck. Dies fördert nicht nur die Sprachentwicklung, sondern auch den Wortschatz, Ausdruck und die Fantasie der jungen Leser.
Die Katzen schaffen eine entspannte Atmosphäre und hören geduldig zu, während die Kinder lesen. Studien belegen, dass rhythmische Stimmen beruhigend auf die Tiere wirken. Die Kinder können dabei selbst über das Erzähltempo und die Lautstärke entscheiden. Fehler werden nicht korrigiert und es gibt keine Unterbrechungen; dies stärkt das Selbstvertrauen der Kinder und fördert ihre Lesekompetenz. Positive Rückmeldungen von den teilnehmenden Kindern und deren Eltern bestätigen den Erfolg des Projekts.
Eine wertvolle Kooperation
Das „Lesekatzen“-Projekt ist das Ergebnis einer Kooperation zwischen dem Land Burgenland, dem Tierschutzhaus Sonnenhof und der Bildungsdirektion Burgenland. Es richtet sich an Schülerinnen und Schüler der dritten und vierten Klassen im Bezirk Eisenstadt und bietet einmal wöchentlich kostenlose Vorlesestunden an. Für weitere Informationen können Interessierte das Tierschutzhaus unter kontakt@sonnentiere.at oder telefonisch unter 02687/48149 erreichen.
Erweiterte Perspektiven durch tiergestützte Pädagogik
Ein weiteres Beispiel für tiergestützte Pädagogik ist das Projekt LESEMUT, das bereits seit Frühjahr 2008 existiert. Wissenschaftlich begleitet von der Forschungsgruppe „Mensch und Tier“ der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen, zielt dieses Projekt darauf ab, die Lese- und Sprachfähigkeit von Kindern zu steigern. Hierbei kommen speziell trainierte Hunde zum Einsatz, die mit ruhigem Temperament und Freude am Umgang mit Kindern aufwarten.
In diesem Rahmen lesen die Kinder den Hunden Geschichten vor und sprechen über die Tiere, was nicht nur ihren Wortschatz erweitert, sondern auch Begeisterung für das Lesen weckt. Das Programm bietet den Kindern die Möglichkeit, verschiedene Genres kennenzulernen und ihre Lesemotivation zu steigern. Dabei nehmen pro Veranstaltung etwa zwölf Kinder im Alter von 9 bis 11 Jahren teil, die bereits über Grundkenntnisse im Lesen verfügen.
Die Bedeutung von Leseförderung
Die Förderung von Sprach- und Lesekompetenz ist besonders wichtig in der Übergangsphase von der Grundschule zu weiterführenden Schulen. Projekte wie „Lesekatzen“ und LESEMUT zeigen, wie Tiere dazu beitragen können, eine einladende und motivierende Atmosphäre zu schaffen, die Kinder dazu anregt, sich mit Literatur auseinanderzusetzen. Indem sie ihren Lesefluss im Beisein der Tiere üben, gewinnen sie nicht nur an Sicherheit, sondern entwickeln auch eine tiefere Verbindung zur Literatur.
In einer Welt, in der digitale Medien zunehmend dominieren, sind solche Initiativen von unschätzbarem Wert. Sie fördern nicht nur die Lesefähigkeit der Kinder, sondern stärken auch das Verständnis und die Empathie gegenüber Tieren. Diese beiden Projekte in Eisenstadt und darüber hinaus setzen ein Zeichen dafür, wie Bildung und Tierliebe Hand in Hand gehen können.