Im Martinsdom in Eisenstadt wird in diesem Jahr ein ganz besonderes digitales Fastentuch präsentiert. Es widmet sich dem Leben des heiligen Franz von Assisi, anlässlich seines 800. Jubiläums. Dieses Ereignis rückt die Spiritualität und die weitreichende Wirkung des Heiligen ins Rampenlicht und bietet den Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit, sich mit seiner Philosophie auseinanderzusetzen.
Die künstlerische Grundlage für das digitale Fastentuch bildet der beeindruckende Bilderzyklus von Giotto di Bondone, der in der Basilika di San Francesco zu finden ist. In Eisenstadt wurden acht Motive ausgewählt, die wöchentlich wechseln und vom 18. Februar bis zum 12. April besichtigt werden können. Die Motive sind täglich ab 7 Uhr bis nach den abendlichen Gottesdiensten zugänglich und zeigen unter anderem Szenen wie das Teilen von Franziskus mit einem armen Ritter und das Predigen an Vögel. Das letzte Motiv, das Assisi-Kreuz, symbolisiert den österlichen Glauben.
Das Leben des heiligen Franz von Assisi
Franz von Assisi, geboren um 1181/82 und gestorben 1226, gilt als Patron der Armen, Blinden, Lahmen, Strafgefangenen, Sozialarbeiter und Schiffbrüchigen. Sein Lebensthema war die bedingungslose Nachfolge Christi in Armut. Er lebte ein mönchisches Büßerleben und wurde als Wanderprediger bekannt. Zwischen 1209 und 1220 gründete er den Orden der Franziskaner, der sich bis heute für Gerechtigkeit und Frieden einsetzt und in Armut lebt. Auch die Klarissen und der Dritte Orden für Laien gehen auf seine Initiative zurück. Weltweit umfasst die franziskanische Familie heute rund 650.000 Mitglieder.
Die Fresken von Giotto, die in der Oberkirche der Basilika des Heiligen Franziskus in Assisi zu finden sind, spielen eine zentrale Rolle in der Darstellung des Lebens des Heiligen. Giotto, geboren 1267 und gestorben 1337, gilt als einer der größten Maler seiner Zeit. Er malte die Fresken zwischen 1292 und 1296 und nutzte innovative Techniken, die eine bessere Konservierung der Werke ermöglichten. Die Darstellungen zeigen die Individualität der Figuren und eine realistischere Darstellung von Landschaften und Architektur.
Kunst und Spiritualität vereint
Die Fresken erzählen in 28 Szenen die Geschichte des Heiligen Franziskus, von seiner Berufung bis zu seinen wunderbaren Taten. Unter den Szenen sind bewegende Momente wie das Gebet vor einem Kruzifix, in dem eine Stimme ihn auffordert, das Haus Gottes zu reparieren, sowie die Rückgabe aller irdischen Güter an seinen Vater. Kunsthistoriker diskutieren jedoch die Zuschreibung mancher Fresken, da einige Werke möglicherweise von anderen Künstlern der römischen Schule unter der Leitung von Pietro Cavallini stammen.
Mit dieser digitalen Ausstellung im Martinsdom wird nicht nur das Erbe des heiligen Franz von Assisi gewürdigt, sondern auch die Verbindung zwischen Kunst und Glauben aufgezeigt. Franziskus wird nicht nur als religiöse Figur verehrt, sondern gilt auch als Vermittler zwischen verschiedenen Religionen. Sein Gedenktag, der 4. Oktober, wird als Tierschutztag gefeiert, was sein Engagement für die Schöpfung verdeutlicht. Papst Johannes Paul II. erklärte ihn 1980 zum Patron des Umweltschutzes, was seine zeitlose Relevanz unterstreicht.
Die Ausstellung bietet einen einzigartigen Rahmen, um sich mit der Spiritualität und der Botschaft des heiligen Franz von Assisi auseinanderzusetzen und gleichzeitig die beeindruckende Kunst von Giotto zu erleben. Die Kombination aus digitaler Technologie und historischer Kunst schafft einen Raum für Reflexion und Inspiration im Herzen von Eisenstadt.